Frauenkirchen

Frauenkirchen ist eine Stadt im Bezirk Neusiedl am See (Burgenland) mit 2866 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017), von denen mehr als 7 % der Volksgruppe der Burgenland-Ungarn angehören. Der ungarische Ortsname der Stadt ist Boldog-Asszony oder Fertoboldog-Asszony.

Geschichte: Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Königreich Ungarn als Szent Maria im Jahr 1324. 1529 (Erste Wiener Türkenbelagerung) und 1683 (Zweite Wiener Türkenbelagerung) wurden das Dorf und die Kirche von den Osmanen zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte unter dem Grundherrn Paul I. Esterhazy, einem der größten Grundbesitzer Altungarns. Um die von 1695 bis 1702 errichtete Basilika und das Franziskanerkloster entwickelte sich der überwiegend von Deutschsprachigen bewohnte Ort ab dem Ende des 17. Jahrhunderts allmählich zu einem regionalen Handelszentrum. Von 1898 an musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Fertoboldogasszony bzw. Boldogasszony verwendet werden (Ferto-tó = Neusiedler See, ferto = Sumpf).

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde Frauenkirchen nach zähen Verhandlungen wie ganz Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 bzw. 1920 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört daher seit 1921 zum neu gegründeten österreichischen Bundesland Burgenland. Frauenkirchen wurde 1982 zur Stadtgemeinde erhoben.

Jüdische Gemeinde: 1678 erlaubte Graf Paul I. Esterhazy den Mönchhofer Juden, die von Husaren überfallen und ausgeplündert und vom Abt des Stiftes Heiligenkreuz des Ortes verwiesen worden waren, die Ansiedlung in Frauenkirchen. 1876 erreichte die Jüdische Gemeinde in Frauenkirchen mit 864 Juden ihren Höhepunkt. Dies entsprach etwa einem Drittel der gesamten Einwohnerschaft. Der Ort gehörte zu den jüdischen Siebengemeinden im Burgenland. Nach dem "Anschluss Österreichs" an das nationalsozialistische Deutschland im März 1938 wurde in Frauenkirchen ein provisorisches Anhaltelager eingerichtet, in das etwa 400 Juden des Seewinkels unter Zwang verbracht wurden. Im April 1938 wurden die meisten dieser Juden über die ungarische Grenze abgeschoben und in der Folge die Jüdische Gemeinde vernichtet. Die Synagoge wurde 1939 demoliert, der Jüdische Friedhof ist erhalten.

1938 lebten in Frauenkirchen rund 350 Juden, ein Drittel von ihnen überlebte die Nazi-Herrschaft nicht. Ihre Häuser wurden durch die Nazis geschleift, berichtete der ORF Burgenland. Am 31. Mai 2016 wurde an der Stelle der ehemaligen Synagoge die Gedenkstätte "Garten der Erinnerung" eröffnet. Zu sehen sind drei Tafeln mit den Nachnamen der einstigen jüdischen Familien von Frauenkirchen, ergrabene Mauerreste der Synagoge und die Skulptur einer Thorarolle.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Basilika Frauenkirchen, macht die Stadtgemeinde zu einem Wallfahrtsort.
Franziskanerkloster Frauenkirchen, nördlich an der Basilika angebaut.
Kalvarienberg, steht am Kirchenplatz im Süden der Basilika.
Jüdischer Friedhof Frauenkirchen
Garten der Erinnerung
Schüttkasten Frauenkirchen

Wirtschaft und Infrastruktur: Frauenkirchen ist Schulstadt mit einer Volks- und einer Hauptschule und einer Handelsakademie. In der Fußgängerzone gibt es einige Geschäfte. Nach Erbohrung einer ergiebigen Thermalquelle wurde die wasserrechtliche Bewilligung für einen Thermenbau erteilt und 2009 die St. Martins Therme & Lodge eröffnet. 2 km von Frauenkirchen befindet sich der alte Gutshof Althof.

Es gibt ein medizinisches Zentrum, mit einer Unfallambulanz, einer Rettungsstelle des Roten Kreuzes unter anderem mit einem Notarzteinsatzfahrzeug, ein Ärztezentrum, mit einem Pflegeheim, einer Tagesstätte und einer Wohngemeinschaft.

Jakobsweg: Frauenkirchen ist Ausgangspunkt für den bis zur Einbindung in den Jakobsweg Österreich in Haslau-Maria Ellend überwiegend im Burgenland verlaufenden Jakobsweg Burgenland.

Persönlichkeiten:
Der amtierende Landeshauptmann des Burgenlandes (seit 2000), Hans Niessl, war in Frauenkirchen auch Bürgermeister.
Bürgermeister Johann Kobor (1882–1958) betrieb in Frauenkirchen ein Gasthaus und ein Kino.
Geboren in Frauenkirchen sind die Politiker Stefan Kettner (1887–1957) und Martin Wetschka (1888–1971).
Erich Stekovics gilt mit seinem Anbau von über 3200 verschiedenen Sorten Paradeiser als der "Kaiser der Paradeiser".
Josef Umathum erlangte mit seinem Weingut überregionale Anerkennung.
Isabelle Zwinger ist Landesmeisterin im Voltigieren.
Frauenkirchen ist der Geburtsort des Komponisten Mihály Mosonyi (dt. Michael Brand, 1815–1870).
Die Malerin und Ordensfrau Elfriede Ettl (1914–2003) ist in Frauenkirchen geboren.

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