Halbturn

Halbturn ist eine Gemeinde mit 1889 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2017) im Burgenland im Bezirk Neusiedl am See in Österreich. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Féltorony.

Geografie: Halbturn (burgenländisch "Hoibtuan") liegt nahe der ungarischen Grenze.

Nachbargemeinden: Die Nachbarorte in Österreich sind Frauenkirchen, Mönchhof, Nickelsdorf, Sankt Andrä am Zicksee und Andau, in Ungarn Albertkázmérpuszta, Hegyeshalom und Mosonszolnok.

Geschichte: Die Gegend um Halbturn war bereits in römischer Zeit besiedelt. Bei archäologischen Grabungen wurden ein Gräberfeld aus der Kaiserzeit sowie eine römische Villa gefunden.

Die erste urkundliche Erwähnung Halbturns war im Jahre 1466, eine Urkunde berichtet über einen langjährigen Grenzstreit zwischen dem Konvent des Stiftes Heiligenkreuz, Grundherr in Mönchhof, und den Grafen von Bazin, den Besitzern von Halbturn, die eine Vergrößerung ihres Besitzes anstrebten. König Matthias Corvinus wurde gebeten, als oberster Richter zu fungieren. Am Feste des Hl. Georg trafen sich die streitenden Parteien. Ein Kommissär des Königs sprach an Ort und Stelle die Grundstücke und Weingärten dem Stift Heiligenkreuz zu.

In der genannten Urkunde von 1466 wird Halbturn zwar erstmals namentlich erwähnt, doch wurde der Ort vermutlich früher gegründet. Vom "alten, ersten Halbturn" ist bis heute über Aussehen, Größe, Bewohner, etc. nichts bekannt.

Weitere urkundliche Erwähnungen sind 1487/88 "villa Felthorom, Felthoron" und 1493 "poss. Holbenthurm".

Namensdeutung: Halbturn leitet sich wahrscheinlich von einem halbverfallenen Turm eines alten Kastells ab. Dieser halbe Turm ist im „Mönchhofer Hotterbüchl“ abgebildet. Ob der Zeichner nur zur besseren Erklärung des Gebietes diesen Turm gezeichnet hat, oder er tatsächlich bestanden hat, konnte bisher nicht geklärt werden. Der Turm könnte jedoch zur Verteidigung der wichtigen Straßenkreuzung von Neusiedl nach Altenburg (Magyaróvár) und von Ödenburg (Sopron) nach Preßburg (Bratislava) gedient haben. Der Standort dieses Turmes könnte im Bereich des Schlosses gewesen sein und auch die Grundrissform des dritten Schlosshofes entspräche der eines Turmes. Bildliche oder schriftliche Beweise dafür gibt es jedoch nicht.

Herrschaft und Besitzer: Halbturn gehörte zur Herrschaft Ungarisch-Altenburg (Magyaróvár), die damals im Besitz der Grafen von Bösing (Bazin) und St. Georgen (bei Preßburg) war und zum Königreich Ungarn gehörte. 1516 nach dem Aussterben der Familie kam die Herrschaft wieder an die ungarische Krone zurück als unmittelbares ungarisches Krongut. Der ungarische König Ludwig II. schenkte die Herrschaft seiner Gemahlin Maria (1505–1558), der Schwester des Habsburgers Ferdinand I., als Witwengut. 1526, nach dem Tode Ludwigs II., übernahm Maria ihren Witwensitz und hielt sich bis 1528 im Komitat auf. Auf dem Gelände des zerstörten Halbturn fand nach der Eroberung Budapests durch die Türken im Jahre 1540 das Gestüt der ungarischen Königinwitwe Maria eine neue Heimstätte. König Ferdinand I. gestattete hierbei seinem Höfling Eizinger die Errichtung eines Gestüts auf dem Halbturner Gelände. Nach dem Ableben Marias kam der Besitz wieder in die direkte Verwaltung der Habsburger zurück, da durch das Aussterben der ungarischen Könige die Habsburger deren Stellung übernahmen.

Der Ort gehörte, wie das gesamte Burgenland, bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Féltorony verwendet werden.

Wirtschaft: In Halbturn sowie der Nachbargemeinde Andau wird derzeit der Windpark Andau/Halbturn errichtet. Nachdem die Baugenehmigung 2010 erteilt wurde, befindet sich der Windpark mit insgesamt 79 Windkraftanlagen seit Mai 2012 in Bau.

Durch Halbturn führt der von Frauenkirchen kommende und bis zur Einbindung in den Jakobsweg Österreich in Haslau-Maria Ellend überwiegend im Burgenland verlaufenden Jakobsweg Burgenland. Der Jakobsweg Ungarn knüpft in einer Variante in Halbturn an den Jakobsweg Burgenland an.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Alter Friedhof: ObjektID: 5961, Kirchenplatz.
Boligrankreuz: ObjektID: 5956, die Steinsäule des sogenannten Boligrankreuzes an der Grenze zu Ungarn trägt eine Inschrift aus dem Jahr 1711. Die beschädigte Figur stellt wahrscheinlich den hl. Urban dar.
Dreifaltigkeitssäule: ObjektID: 5951, Kirchenplatz, eine Dreifaltigkeitssäule, auch als Pestsäule bezeichnet, am Kirchplatz; datiert mit 1713.
Ehemaliger Pfarrhof: ObjektID: 5945, Kirchenplatz 2
Figurenbildstock, Hl. Familie: ObjektID: 5955.
Figurenbildstock, Sebastiansäule: ObjektID: 5952, bei Budapester Straße 28, die rechteckige Säule mit einer Steinfigur des heiligen Sebastian ist mit 1678 datiert.
Franziskuskreuz: ObjektID: 5954, das Franziskuskreuz südwestlich des Ortes weist eine Inschrift aus dem Jahr 1680 auf.
Immaculatasäule: ObjektID: 5950, Kirchenplatz, eine Mariensäule aus dem 18. Jahrhundert vor der Kirche.
Immaculatasäule: ObjektID: 5949, Kirchenplatz, eine Immaculata-Säule aus dem Jahr 1747 mit den Sockelfiguren hll. Florian und Leonhard.
Johannes Nepomuk-Kapelle: ObjektID: 5962, der rechteckige Giebelbau der Johannes-Nepomuk-Kapelle nordöstlich des Ortes entstand im Jahr 1809.
Katholische Pfarrkirche Halbturn: ObjektID: 5944, die barocke Pfarrkirche hl. Joseph am Nordende des Dorfangers wurde um 1730 nach Plänen von Josef Emanuel Fischer von Erlach erweitert. An das Langhaus mit einem eingezogenen halbrunden Chor schließt im Westen ein dreigeschoßiger Turm mit Steinpyramidenhelm an. Der prächtige neobarocke Hochaltar und die Seitenaltäre stammen aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Laurentiuskreuz: ObjektID: 5958, vor Wiener Straße 26, das Laurentiuskreuz trägt eine Inschrift aus dem Jahr 1825 und wurde 1955 renoviert.
Pfingstermarktkreuz: ObjektID: 5959, das Pfingstermarktkreuz zeigt eine steinerne Pieta auf einem Postament, das mit 1760 bezeichnet ist.
Pitzerkreuz, Pièta: ObjektID: 5953, vor Erzherzog-Friedrich-Straße 36.
Schloss Halbturn: ObjektID: 6111, Im Schloss 3, barocke Schlossanlage, 1701 bis 1711 von Johann Lucas von Hildebrandt erbaut, später durch den Hofbaumeister Franz Anton Hillebrandt umgebaut, und von Franz Anton Maulbertsch mit Fresken versehen. Ursprünglich als Jagdschloss für Kaiser Karl VI. erbaut. Im Schloss finden regelmäßig Veranstaltungen wie Ausstellungen und die Halbturner Schlosskonzerte statt.
Skulpturen im Park: Zeitgenössische Objektkunst im Park von Schloss Halbturn.
Tschardaken: Die Gemeinde, in der noch zahlreiche Tschardaken vorhanden sind, hat sich zum Ziel gesetzt, diese als Kulturgut zu erhalten. Die Straße, an der die meisten stehen, heißt inzwischen Tschardakenstraße, und in jedem Herbst feiert die Gemeinde das Tschardakenfest. Eine stilisierte Tschardake bildet das T im Logo des Ortes.
Weißes Kreuz (Antoniuskreuz): ObjektID: 5957, das Weiße Kreuz südwestlich des Ortes trägt eine Inschrift aus dem Jahr 1822.

Regelmäßige Veranstaltungen:
Dorfführungen: Auf einer kommentierten Tour durch die Ortschaft und den romantischen Schlosspark erfährt man Wissenswertes und Interessantes über die Ortsgeschichte.
Kräuterwanderungen: Kommentierte Wanderungen mit dem ausgebildeten Kräuterpädagogen und Natur- und Landschaftsführer ANDREAS GISCH.
Schlosskonzert: Die Halbturner Schlosskonzerte finden seit 1973 jährlich an den Samstagen in den Monaten Juli und August statt.
Tschardakenfest: Unter dem Motto "Führ’ Dein Dirndl aus" dreht sich am letzen Wochenende im September in Halbturn wieder alles um den KUKURUZ. 2017 fand mittlerweile das 12. Tschardakenfest statt.

Persönlichkeiten:
Karl Ratzenböck (1878–1946), Landwirt und Politiker
Franz Thury (1909–1988), Landesbeamter und Politiker
József Grosz (1887–1961), römisch-katholischer Erzbischof von Kalocsa in Ungarn

Radwege: Der familienfreundliche Radweg B 22 Hansàgradweg mit einer Länge 55 km ist der ideale Radweg für Naturliebhaber. Start ist Sankt Andrä am Zicksee. Er umschließt in der Weite des östlichen Seewinkels das sensible Großtrappenschutzgebiet im Waasen (Hansàg).

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