Unterwart

Unterwart (ungarisch: Alsóor, kroatisch: Dolnja Borta, Dolnja Jerba, romani: Telutni Erba, Tenuerba) ist eine Gemeinde im Bezirk Oberwart im Burgenland in Österreich. Der Volksgruppe der Burgenlandungarn gehören 54 % der Gemeindebevölkerung an; im Ortsteil Unterwart liegt der Anteil ungarischsprachiger Bewohner bei rund 75 %. Der deutschsprachige Anteil der Bevölkerung - vorwiegend im Ortsteil Eisenzicken beheimatet - beläuft sich auf 37,7 %. Die Gemeinde zählt auch zum Siedlungsgebiet der Burgenlandroma.

Geografie: Die Gemeinde liegt im Südburgenland.

Gemeindegliederung: Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2017): Eisenzicken (272) und Unterwart (671)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Eisenzicken und Unterwart.

Geschichte: Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Eine entsprechende ungarische Bezeichnung fehlt, da das Burgenland nie eine organisatorische Einheit innerhalb von Ungarn darstellte.

Die Gemeinde Unterwart gehörte zu jenen adeligen Siedlungen der Oberen Wart, deren Ureinwohner von den ungarischen Königen der Árpáden-Dynastie nach der Sesshaftwerdung der Ungarn und der Konsolidierung des ungarischen Staatssystems als Grenzwächter (speculatores nostri) des Gyepusystems an der westlichen Reichsgrenze angesiedelt wurden. Diese Grenzwächter besaßen königliche Privilegien, waren frei und keiner Herrschaft untertan. Der Freiheitsbrief König Karl Roberts I. aus dem Jahre 1327 bestätigte nicht nur ihre Freiheiten, sondern schuf für sie eine eigene Warthoheit und nahm sie in den Stand des Landadels auf - bei gleichzeitiger Einweisung in ihre frühere Besitzungen zwischen den Burgen Bernstein und Güssing.

Der ungarische Reichstag bestätigte des Öfteren (1478, 1498, 1547) diese Rechte und bezeichnete die Einwohner als Adelige ("cum nobiles sint regni Hungariae").

Das Gebiet der Gemeinde Unterwart wurde bis in das 19. Jahrhundert von der örtlichen Communitas (= adelige Wirtschaftsgemeinschaft) bewirtschaftet und verwaltet. Neben der Landwirtschaft blühten auch Handel und Gewerbe. Noch im 19. Jahrhundert wurden fast alle Gewerbe- und Handelssparten ausgeübt, wie Buchbinder, Drechsler, Gerber, Hutmacher, Tsismenmacher, Watteerzeuger und andere. Die Handwerksfahne wird noch heute in der Kirche aufbewahrt.

Im Gegensatz zu den übrigen Siedlungen der Oberen Wart (Oberwart, Siget in der Wart und Jabing) war und ist die Bevölkerung der Gemeinde Unterwart immer rein katholisch gewesen. Die Gemeinde gehörte bis 1797 zur Pfarre Oberwart, wurde zuerst eine selbständige Kaplanei und 1808 eine selbständige Pfarre, wobei die örtliche Communitas die Pflichten des Patronatsherrn auf sich nahm.

Die schlechte Wirtschaftslage um die Jahrhundertwende und besonders nach dem Ersten Weltkrieg veranlasste einen Großteil der Jugend in die Vereinigten Staaten von Amerika (St. Louis) auszuwandern.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon am 10. September 1919 beziehungsweise in den Verträgen von Venedig am 13. Oktober 1921 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland

Wappen: Die Verleihung des Gemeindewappens erfolgte 5. April 1994. Blasonierung: "Im goldenen Schild eine männliche Gestalt in roter Kleidung mit goldenen Schnüren und goldenem Riemen, silbernem Gürtel und silberner Schwertscheide, blauem, golden verschnürten und silbern verbrämten Dolman, schwarzem, silbern verbrämten Kalpak und schwarzen Stiefeln, in ihrer Rechten ein silbernes Schwert schwingend."

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Bibliothek: Die 1975 eröffnete Bibliothek im Gemeindeamt mit ihren 30.000 Bänden sowie die Eröffnung der neu ausgebauten Ungarischen Bibliothek in der "Alten Schule" Anfang Juni 2001 trägt wesentlich neben der Schule und Kirche zur Bestandserhaltung der ansässigen ungarischen Volksgruppe bei.
Ehem. röm.kath. Volksschule: ObjektID: 8622, Unterwart 226, schon im Jahre 1697 wird eine Schule in Unterwart erwähnt. Die Unterrichtssprache zwischen den zwei Weltkriegen war Ungarisch. 1938 wurden die Schulen von Rotenturm und Unterwart zusammengelegt und Deutsch als Unterrichtssprache eingeführt. Nach 1945 wurde die ungarische Sprache wieder unterrichtet, aber in den 60er Jahren wechselte man ins Deutsche. Seit 1990 bemüht sich das Lehrpersonal den Vorschriften entsprechend, zweisprachig zu unterrichten.
Heimatmuseum: ObjektID: 8621, Unterwart 209, das im Jahre 1973 eröffnete Heimatmuseum in einem typischen Arkaden-Bauernhaus bewahrt und bietet den kunsthistorisch und volkskundlich bedeutsamen bäuerlichen Gerätebestand aus dem 19. und 20. Jahrhundert dar.
Kath. Pfarrkirche hl. Katharina: ObjektID: 8614, die römisch-katholische Pfarrkirche Unterwart steht in erhöhter Lage am südlichen Ortsrand der Gemeinde Unterwart im Bezirk Oberwart im Burgenland. Sie ist der heiligen Katharina geweiht und liegt im Dekanat Pinkafeld. Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Die Kirche stammt eventuell bereits aus vorreformatorischer Zeit. 1797 wurde die Kirche aus der Pfarre Oberwart ausgegliedert und 1804 zur eigenständigen Pfarre erhoben. 1976 erfolgte eine Außenrestaurierung. Die Kirche ist ein kleiner Bau mit langem Schiff und halbrunder Apsis. Im Osten schließt ein Turm mit Pyramidenhelm an. Über dem 1767 erbauten, westlichen Teil des Kirchenschiffes, ist Tonnengewölbe mit Stichkappen. 1869 wurde der Bau um zwei platzlgewölbte Joche sowie die Apsis erweitert. An der Nordseite des Chores ist die kleine alte Sakristei angebaut, im Süden ein jüngerer zweigeschoßiger Sakristeianbau mit platzlgewölbten Oratorium in Obergeschoß. Der Hochaltar entstand 1869 in neobarocken Formen. Zwischen zwei Säulenpaaren stehen Figuren der heiligen Könige Stephan und Emmerich. Das Altarbild zeigt die heilige Katharina. Der Seitenaltar ist ein einfacher Rokoko-Altar aus der Zeit um 1770. Der Tabernakel entstand 1869, das Bild der Kreuzaufrichtung um 1900. Die Kanzel wurde um 1770 geschaffen – am Korb sind Sitzfiguren der vier Evangelisten dargestellt, eventuell ein Werk von Nikolaus Minich. Der Schalldeckel ist mit Posaunenengel von 1870 verziert.
Kriegerdenkmal: Das Soldatendenkmal befindet sich gegenüber der Volksschule. Dreiteiliges Monument, am mittleren Segment die Statue zweier Soldaten vor einem Kreuz.
Mariensäule: ObjektID: 8626, Kirchenplatz, die Mariensäule auf dem Kirchenplatz stammt aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Persönlichkeiten:
Adalbert Görcz (1921–1990), Angestellter und Politiker
Johann Hörist (1961–2007), Rektor des Päpstlichen Instituts Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima von 2004 bis 2007

Radwege: Unterwart ist eine Station des Berghäuser Radweges B 55, bei einer Streckenlänge von 43,3 km. Als Berghäuser bezeichnet man im Südburgenland die über den Niederungen gelegenen Ortsteile einer Gemeinde. Stets bergauf und bergab führt der B 55 Berghäuser-Radweg durch waldreiches, ruhiges Gebiet.

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