Wollinger-Mühle

Die Wollinger-Mühle befindet sich an der Lafnitz, genau genommen am Mühlgang Wollingermühle, in Heiligenkreuz im Lafnitztal.

Geschichte: Die Mühle an der Lafnitz. Ob der Übergang der großen, an der Lafnitz gelegenen und schon im 15. Jhdt. nachweisbaren Mühle aus privaten Händen in den Besitz der Herrschaft - 1576 wird sie bereits als herrschaftlich bezeichnet eine unmittelbare Auswirkung des Heiligenkreuzer Urbarialkonflikts gewesen ist (etwa in der Form, dass der Mühleninhaber mit vielen anderen Heiligenkreuzer Bauern 1567 geflohen ist und die Herrschaft anschließend den Besitz für sich einzog) oder sich auf „legalem" Wege durch Kauf vollzogen hat, wissen wir nicht; dass die auf die Mühle bezüglichen älteren Urkunden im unmittelbaren Zusammenhang mit den zum Urbarialprozess gehörigen im Batthyäny-Familienarchiv aufbewahrt wurden, lässt die erstgenannte Variante glaubwürdiger erscheinen. Wir stellen daher im abschließenden Dokumentenanhang auch diese Urkunden, seltene frühe Beispiele ihrer Art, vor, auch als früheste Nachrichten zu einem Objekt, das in der Zeitgeschichte des Burgenlandes im 20. Jhdt. eine nicht unerhebliche Rolle spielen sollte (Wollinger-Mühle). Von dieser Mühle war in der bisherigen Literatur nur bekannt, dass Lorenz Ujlaky, Grundherr von Güssing, 1519 dem Müller Pankratius Faber wegen der Gefahren, denen er samt Familie und Vieh auf der Mühle durch die oftmaligen Überschwemmungen der Lafnitz ausgesetzt war, eine öde Session in Rudersdorf zur Erbauung eines Wohnhauses im Falle der Not zur Verfügung stellte; Güssings neuer Grundherr Franz Batthyäny bestätigte Faber diesen Besitz im Jahre 1533. Aus den in der Folge unter den Nrn. 3, 4, 5 und 8 vorgestellten Urkunden erfahren wir, dass der Heiligenkreuzer Müller Pankraz Faber (wahrscheinlich verbirgt sich hinter der latinisierten Form der Name Schmied) aus Güssing stammte und über seine Schwiegermutter Anna, Tochter des Güssinger Stadtrichters (1483) Jakob Griniszl(er), in den Besitz der Mühle gekommen war; Anna war in erster Ehe mit Jakob Andritsch (Anduts? Auduts?) von Güssing verheiratet und hatte von diesem als Morgengabe ein Fünftel der Heiligenkreuzer Mühle zugeschrieben erhalten, danach in zweiter Ehe den Güssinger Bürger Andreas Pleumbarth24 geheiratet. Faber entschädigte seine Schwiegermutter bzw. deren zweiten Gemahl Pleumbarth 1502 für dieses Mühlenfünftel mit der Übernahme von 32 Pfund Pfennig beim Gerichtsstuhl in Eisenburg und 20 Pfund Pfennig für ihre Morgengabe in Form von Grundstücken (Weingarten in Langzeil bei Güssing, Äcker und Wiesen in Poppendorf). Die restlichen vier Fünftel des Mühlenbesitzes gelangten auf dem Erbschaftsweg von Andritsch an seine Tochter Elisabeth bzw. an seinen Schwiegersohn Faber. Andritsch selbst war die Mühle 1483 über seine erste Frau Dorothea zugefallen: Sie war in ihrer ersten Ehe mit dem früheren Heiligenkreuzer Müller Georg Lang verheiratet gewesen, einem Sohn des Jakob Lang. Der wohlhabende Müllermeister hatte nicht nur in Heiligenkreuz selbst viele Grundstücke (sechs Joch Äcker im „Tiergarten" eine Wiese „Tratten” bei der Mühle, eine andere Wiese „Attlerin" einen Weingarten im Berg „Volchndorff'= Wallendorfer Berg ?) erworben, sondern auch in Gaas eine Mühle sowie in Rudersdorf einen Mühlenplatz mit zugehörigen Äckern und Wiesen erkauft; in seinem Testament vermachte er dem Pfarrer Kaspar von Heiligenkreuz 7 Pfund Pfennig für 30 Messen und Totenvigilien, für Ämter zum siebenten und dreißigsten Tag, für gesungene Psalter und für gesungene Seelämter an den Dienstagen. Bei der 1483 durch ein Schiedsgericht der hiezu berufenen sechs Männer (Jacob Griniszl, Richter von Güssing, Georg Fleischhacker (macellarius) und Nicolaus Lader aus Moschendorf, Bartholomaeus Singer, Stefan Kurtha und Wolfgang Weber {textor) Bürger von Güssing) festgelegten Erbteilung nach dem Ableben des Müllers Lang zwischen dessen im Dorf „Grobur" lebenden Schwester Barbara, Frau des Michael Simon aus Gaas (Kerthes), und seiner inzwischen in zweiter Ehe mit dem Güssinger Jakob Andritsch (Anduts ? Auduts ?) verheirateten Witwe Dorothea wurden Barbara die Mühle in Gaas, der Mühlenplatz in Rudersdorf und 11 Gulden zugesprochen, der andere Besitz (darunter die Heiligenkreuzer Mühle) samt ausstehenden Geldforderungen fielen an Andritsch, der auch die Schulden an den Fidischer Michael Kaser (24 Pfund Pfennig) sowie die frommen Legate an den Ortspfarrer von Heiligenkreuz u.a. zur Einlösung übernahm; die beiden Parteien verpflichteten sich zur Einhaltung dieser Teilung bei einer Strafe von 10 Pfund Pfennig an den jeweiligen Grundherrn sowie eines Eimers (f/nea) Wein, eines Brotlaibs und eines Spanferkels an die Schiedsmänner. Diese Urkunden sind nicht nur aus gewerbegeschichtlicher Hinsicht von Bedeutung, sondern auch wegen der Namensnennung vieler bäuerlicher und bürgerlicher Gewährsleute aus der Güssinger Umgebung, von Richtern und Pfarrern, die in den meisten Fällen die frühesten sprachlichen Zeugnisse ihrer Art darstellen: Außer den schon erwähnten aus 1483 beweisen die Namen des damaligen Richters Stansz und der Bauern Nicolaus Andree, Jacobus Fryler (wohl richtig Fayler), Vincentius Pfoff und Koberl 1502 in Heiligenkreuz, Heinricus Andree in Pöppendorf, Fogler in Neustift (Gödör), Benedict Skalder in Sedesz (?), Petrus Pawer in Wolhendorff (Wallendorf ?), Hans Szavseler in Königsdorf, Hans Pystel in Schallendorf, des Schusters Andreas Poczer in Eltendorf, des Wagners Rupert Currifex in Gamischdorf, des Stefan Szermer und Richters Michael Weber (Textor) in Güssing, Benedikt Söss und Johann Nostier, dass die Dörfer der Herrschaft Güssing (abgesehen von der Wart) bereits im Mittelalter deutsch besiedelt waren. Die - wie berichtet - 1576 bereits in herrschaftlichem Eigenbesitz betriebene Mühle war eine der größten an der Lafnitz: Sie wurde mit fünf Gängen zum Mahlen von Weizen- und Roggenmehl betrieben, daneben bestand ein sechster Gang, der zum Schroten diente. In gleicher Weise wird in den Urbaren von 1588, 1599 über die Mühle berichtet. 1634 wird neben der Getreidemühle auch eine Sägemühle mit dem zum Schneiden von Brettern erforderlichen Werkzeug genannt, 1648 werden dazu noch neun „Speicher" (Kästen) zur Aufbewahrung der Mahlprodukte erwähnt.25 Herrschaftliche Eigenmühlen wurden entweder durch Lohnmüller in Eigenregie betrieben oder an Pachtmüller gegen eine kontraktmäßig festgesetzte Jahresmiete (zumeist in Form von Getreide oder Mahlprodukten) „in Bestand" (arenda) vergeben. Da Pachtverträge in der Regel nur auf kurze Zeit (höchstens drei Jahre) geschlossen wurden, wechselten die jeweiligen Müller sehr rasch. Die Angaben über die Heiligenkreuzer Müller im 18. Jhdt., die wir aus den Pfarrmatriken gewinnen können, lassen erkennen, dass sowohl die Getreide- als auch die Sägemühle in dieser Zeit von der Herrschaft offenbar zumeist in Eigenregie geführt wurden, da die Müllermeister oft über langjährige Zeit auf den Werken zu finden sind; die oftmalige Nennung von zwei Müllermeistern zur gleichen Zeit beweist, dass für die Führung der Mühlen zwei Meister (für die Mahlmühle und für die Sägemühle) angestellt waren: Folgende Müllermeister (molitor), Gesellen (molitor sodalis), Meisterinnen (molitorissa, molitorix), Müllerkinder, Knechte (servus molito- ris) usw. werden zwischen 1710 und 1791 in den Matriken angeführt, zumeist in der Eigenschaft als Taufpaten, aber auch anläßlich ihrer Hochzeiten, Kindstaufen oder Begräbnisse: Eberhardt (Oeberhardt, Eberhart) Michael 1 710 VI 22 - 1 721 IV 12 (- 1 725); seine Tochter Catharina kommt 1710 VI 22 1713 I 15 als Taufpatin vor, seine Tochter Anna 1 714 IV 8- 1 71 5 X 29 ( 1 725 V 15), seine Tochter Eva 1 715 XII 22 1 720 XI 3, seine Frau Anna 1 712 IX 23 1 71 8 II 3 (1 725 V 15); aus der Nachricht, dass 1711 XII 22 Barbara, Tochter des Georg Eberhardt aus Mischendorf (Miska), in Diensten beim Heiligenkreuzer Müller stand, schließen wir, dass Michael und Georg Eberhardt Verwandte, wahrscheinlich Brüder, waren, und dass Michael Eberhard möglicherweise aus Mischendorf stammte. Neben Michael Eberhardt, der wahrscheinlich die Mahlmühle führte, arbeiteten folgende Müllermeister zumeist nur kürzere Zeit (als Bestandmüller des Sägewerkes) in Heiligenkreuz:
Hantzl Stefan (Stöffl) 1 710 VI 22 - 1 711 XII 22;
Mrakovitz Georg (Jury) 1 711 XII 1713 15;
Czar (Czär) Johann 1 714 IX 4 - 1 716 VII 7;
Budnitsch (Bodnitsch, Bugnicz) Johann 1 715 X 1 7 1 720 XII 1 ;
Eberhardt Georg, der nur einmal 1724 VIII 31 als Müller vorkommt, dürfte ein Sohn Michaels gewesen sein;
Pum Matthias 1726 II 25 1735 I 16; ob er der Nachfolger Michael Eberhardts als Mahlmüller oder Sägemüller war, bleibt ungewiss;
Pelzman (Pölzmann) Paul wird 1735 XI 29 bis zu seinem Ableben 1742 IX 21 als Müllermeister geführt, dürfte aber bereits 1 733 auf der Mühle gewesen sein, da der „Mühljunge" (Geselle) Martin Pelzman, in dem wir seinen Sohn erblicken dürfen, schon 1733 VIII 26 1742 IV 3 als Taufpate in Erscheinung tritt; auch der 1736 XII 19 als Müller bezeichnete Jakob Pelzmann dürfte ein Sohn Pauls gewesen sein. Nach dem Ableben Pauls heiratete seine Witwe Rosalia 1 743 VI 30 den Müller Johann Pessenhoffer; sie starb um 1 758, da in diesem Jahr Pessenhoffers dritte Frau Elisabeth aufscheint; Pessenhoffer (Pesnhoffer, Besenhoffer) Johann 1743 VI 30 - 1762 VI 21; er heiratete die Witwe Rosalia seines Vorgängers Paul Pelzman, 1758 nach deren Ableben eine Elisabeth. Sein Sohn Paul Pessenhoffer, der 1761 XII 11 im Alter von 21 Jahren in Heiligenkreuz begraben wurde, stammte daher aus einer früheren Ehe (vor der mit Rosalia Pelzmann); Casper (Gasper) Michael wird 1742 XII 7 als Mühljunge, 1743 II 11 1743 IV 20 als Müller bezeichnet; er dürfte daher auf der Sägemühle beschäftigt gewesen sein; Hacker (Hocker) Georg, Mühljunge 1752 II 2, Müller 1753 I 3 - 1753 XII 8, war gleichfalls nur kurzzeitig in Heiligenkreuz tätig; Vagner Michael heiratete als 22jähriger Müller 1774 VI 19 in Heiligenkreuz, kommt aber später nicht mehr vor; ob er Mahl- oder Sägemüller war, bleibt unbestimmt; Szakäcsics Johann war 1780 1781 VII 12 Müllermeister in Heiligenkreuz; am letztgenannten Datum wurde sein Sohn Michael im Alter von einem Dreivierteljahr begraben; Pelzmann Georg heiratete als Heiligenkreuzer Müller 1783 V in Körmend; er dürfte ein Nachfahre des einstigen hiesigen Müllers Paul Pelzmann (Enkel ?) gewesen sein. Aus den Matriken hören wir noch von dem 1 779 IV 20 begrabenen 25jährigen Müllergesellen Franz Teutsch, von dem 1785 VI 6 bestatteten 24jährigen Georg Szabo, der von einem Mühlrad getötet worden war, sowie von dem 1787 VII 3 begrabenen, im Alter von 18 Jahren in der Mühle verstorbenen Johann Koll; die Mühle trug seit der Einführung der Konskriptionsnummern durch die Reformen Kaiser Josephs II. (1786) die Hausnummer 112.

Text Geschichte: 1/2003 Harald Prickler, Das Heiligenkreuzer Streben nach Freiheit, ©Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv, download unter www.zobodat.at

Karl Josef Wollinger (* 26. Mai 1877 in Sankt Gotthard an der Raab; † 13. September 1945 in Graz) war ein österreichischer Landwirt und Mühlenbesitzer sowie Politiker (GDVP). Er war Abgeordneter zum Burgenländischen Landtag und Abgeordneter zum Nationalrat.

Leben: Wollinger wurde als Sohn des Gutsbesitzers Karl Wilhelm Wollinger aus Heiligenkreuz im Lafnitztal geboren. Sein Vater stammte aus Bingen am Rhein. Wollinger besuchte die Volksschule und an der philosophischen Fakultät der Technischen Hochschule in Graz. 1904 übernahm Wollinger den väterlichen Betrieb in Heiligenkreuz und flüchtete nach mehrmaliger Inhaftierung wegen Anschlussfreundlichkeit 1919 nach Österreich. Wollinger war verheiratet.

Politik: Wollinger war ab dem 27. Jänner 1922 Mitglied der Verwaltungsstelle für das Burgenland und begründete die Großdeutschen Volkspartei im Burgenland mit. Er wurde 1922 deren erster Obmann und war ständiges Mitglied des Landesparteivorstandes, wobei er stets die Funktion des 1. oder 2. Obmanns innehatte. Zwischen dem 21. Juni 1931 bis zur Auflösung 1934 war Wollinger alleiniger Obmann der Landespartei.

Wollinger war zwischen dem 20. Mai 1927 und dem 5. März 1930 Abgeordneter zum Burgenländischen Landtag sowie zwischen dem 13. Juli 1922 und dem 20. November 1923 Abgeordneter zum Nationalrat.

Mit dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland war er zwischen 1938 und 1941 Bürgermeister von Heiligenkreuz im Lafnitztal. Dieses Amt legte er 1941 nieder, da er mit der Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung nicht einverstanden war. Das hinderte die einmarschierenden Russen jedoch nicht, seinen Besitz komplett zu verwüsten. Wollinger starb wenige Monate danach völlig gebrochen in Graz.

Text Karl Wollinger: Wikipedia


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