Markt Allhau

Markt Allhau ist eine Marktgemeinde mit 1855 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2020) im südlichen Burgenland im Bezirk Oberwart. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Alhó, der kroatische Oljhava, auf Romanes Ojhava.

Geografie: Die Gemeinde liegt im Südburgenland im Stegersbachtal an der Grenze zur Steiermark. Der Fangertbach entspringt in den Oberbergen vom Markt Allhau und mündet im Standwald, im Gebiet nördlich von Kemeten, rechtsufrig in den Strembach.

Gemeindegliederung: 1971 wurde Buchschachen mit Markt Allhau zusammengelegt. Marktgemeinde ist Markt Allhau seit 1973 (durch VO 5 erfolgte die Weiterverleihung).

Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2020): Buchschachen (535) und Markt Allhau (1.320)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Allhau Markt und Buchschachen.

Geschichte: Der Ort wird im Jahre 1331 urkundlich erwähnt und wurde im 18. Jhdt. zum Markt erhoben. Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Alhó verwendet werden.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Um jedoch die Übergabe der westungarischen Dörfer an Österreich zu verhindern, bildeten sich im ganzen Land Freischärlergruppen, bei denen aber Angehörige, die aus den betroffenen Gebieten selbst stammten, eher die Ausnahme darstellten. Im Gebiet von Markt Allhau operierte das I. Freischärlerkorps unter dem Kommando von Oberleutnant Arpad Taby, das seinen Kommandositz in Oberwart hatte. Als die österreichische Gendarmerie am 28. August 1921 versuchte mit 11 Kolonnen das Burgenland zu besetzen, wurde die für Markt Allhau vorgesehene Kolonne 8 bereits kurz nach dem Grenzübertritt von den Freischärlern angeschossen, sodass sie sich unverrichteter Dinge wieder auf ihren Ausgangspunkt Hartberg zurückziehen musste. Auch ein zweiter Versuch am nächsten Tag scheiterte am Widerstand der Freischärler. Diese beherrschten nun wieder das Gebiet bis zur steirischen Grenze und riefen unter ihrem Anführer Pál Prónay am 4. Oktober in Oberwart sogar einen Operettenstaat mit dem Namen Lajtabánság/Leitha-Banat aus. Durch das Protokoll von Venedig verpflichtete sich Ungarn schließlich endgültig das Burgenland zu übergeben. So konnte die Landnahme durch das Bundesheer in der Zeit vom 25. bis 30. November ohne Probleme erfolgen. Bereits am ersten Tag dieser Landnahme marschierten Einheiten der österreichischen 4. Brigade des Bundesheeres von Hartberg kommend in Markt Allhau ein, das nun offiziell Teil des neuen Bundeslandes Burgenland wurde.

Am 7. April 1941 musste eine Bristol Blenheim der jugoslawischen Luftwaffe auf einem Feld in der Nähe von Markt Allhau notlanden. Die Maschine hatte zuvor einen Angriff als Vergeltung für den am Vortag von der Wehrmacht begonnenen Balkanfeldzug auf den Flugplatz Wiener Neustadt geflogen. Dabei wurde sie von der deutschen Flugabwehr derart beschädigt, dass die dreiköpfige Besatzung den Bomber landen musste. Die Männer kamen in deutsche Kriegsgefangenschaft, das Flugzeug war in dieser Phase des Krieges ein seltener Anblick und wurde von vielen Schaulustigen besichtigt, bevor es zerlegt und mit der Bahn mit unbekanntem Ziel abtransportiert wurde.

Am 10. Mai 1944 stürzte ein amerikanischer Boeing B-17 Bomber nach einem Luftkampf mit deutschen Jagdflugzeugen im Gemeindegebiet von Markt Allhau ab. Zwei Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben, während sich acht andere mit dem Fallschirm retten konnten.

Am 6. April 1945 erreichte auch der Bodenkrieg Markt Allhau. Die Rote Armee hatte den Bezirk Oberwart problemlos erobert und nur bei Markt Allhau und Buchschachen versteifte sich entlang der Lafnitz der deutsche Widerstand. Bis zu Kriegsende fielen fast fünfzig deutsche Soldaten bei diesen Kämpfen. Auch die Ortschaft zahlte mit fünf Ziviltoten und vielen zerstörten Häusern einen hohen Preis.

Wappen: Blasonierung: "Am oberen Rand eines grünen Schildes quer drei gold durchflutete weiße Arkadenbögen. In den mittleren Bogen ragt der Zwiebelturm einer weißen Kirche, die in der Mitte des Wappens zwischen zwei in einfacher Wellenform quer verlaufenden blauen Flüssen steht. Links und rechts der Kirche steht je ein grüner Baum. Im Schildfluss als Symbol für Handwerk und Gewerbe ein goldener Amboss, der von einem ebenfalls goldenen achtspeichigen Rad umgeben wird. Den Schild umgibt eine einfache blaue Linie."

Partnergemeinde: Markt Allhau pflegt eine Partnerschaft zur Gemeinde Unlingen in Baden-Württemberg.

Neue Mittelschule: Die NMS befindet sich in der Schulgasse 15 in 7411 Markt Allhau. Im Jahr 1956 wurde eine vierklassige Hauptschule errichtet. 1973 wurde das Schulgebäude erweitert. Im Sommer 2012 wurde die Schule ein weiteres Mal renoviert und im Zuge einer umfassenden Dorferneuerung ein Schul- und Bildungszentrum errichtet, welches neben der NMS auch die Volksschule und den Kindergarten beinhaltet. Im Zuge dieser Umbauarbeiten wurde eine 3,0 kWp-Photovoltaikanlage für die NMS errichtet. Im Schuljahr 2017/18 besuchen 240 Kinder die NMS. Sie kommen aus ca. 20 Gemeinden in der näheren Umgebung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Alte Mühle - Mühlenkomplex: (Mühlengebäude, Wohnhaus samt Wirtschaftstrakt), ObjektID: 79373, Allhauer Mühlhäuser 1-3 (Markt Allhau 1), Öl- und Getreidemühle bis 1968 in Betrieb, vor wenigen Jahren renoviert und als Wohngebäude adaptiert.
Ehemalige Brückenwaage (Wogheisl): Diese Brückenwaage hat eine lange Tradition, den das Gebäude selbst war erst seit 1926 als öffentliche Waage zugelassen. Der Hersteller war die Firma Juhasz, die Höchstlast betrufg 4000 kg. Die letzte Eichung war am 18.11.1996.
Erinnerungs-Stätte: Erinnerungs-Stätte an die alte katholische Kirche in Markt Allhau. Errichtet 2010 unter dem Pfarrgemeinderat.
Evang. Pfarrkirche A.B.: ObjektID: 8240, der hohe klassizistische Bau über quadratischem Grundriss stammt aus den Jahren 1784 bis 1786. Der vorgebaute Südturm mit Zwiebelhelm wurde 1832/33 erbaut.
Gedenkstätte für die Soldaten der Wehrmacht: Die Gedenkstätte für die Soldaten der ehemaligen deutschen Wehrmacht befindet sich am Friedhof. Es soll an 46 gefallene Soldaten erinnern.
Kath. Filialkirche hl. Lucia: Die Filialkirche hl. Lucia ist unter der ObjektID: 8239 denkmalgeschützt. Die frühere Kirche aus dem 18. Jahrhundert wurde im Jahr 1957 gesprengt und durch einen modernen Neubau mit frei stehendem Glockenturm ersetzt. Der barocke Hochaltar im Innenraum blieb erhalten. Die Kanzel aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde umgebaut und als Ambo aufgestellt.
Kitting: ObjektID: 8242, Allhauer Mühlhäuser 5, Markt Allhau 5
Kriegerdenkmal: Das Soldatendenkmal befindet sich neben der Kirche. Quadratischer Sockel, gekrönt mit der Statue einer Frau, die einen Soldaten in den Armen hält.
Milchsammelstelle: Milchsammelstellen waren früher Sammelstellen für die Landwirte eines gewissen Umkreises, an denen sie ihre Milch ablieferten. Von dort wurde sie gesammelt zum Großabnehmer transportiert. Die meisten Milchsammelstellen wurden in den 1930er Jahren erbaut. Vorher wurde die Milch meist mit Pferdefuhrwerken von den einzelnen milchliefernden Höfen abgeholt. Nach der Einrichtung der Milchsammelstellen, meist an zentraler Stelle im Ort, wurde die Milch von den einzelnen Bauern dort abgeliefert. Die Gebäude dienten der Sammlung und Kühlung der Milch bis zum Weitertransport. Die Bedingungen der Anlieferung ließen die Milchsammelstellen vielerorts auch zu einem sozialen Treffpunkt werden.
Pranger: Der Pranger befindet sich neben der Evangelischen Pfarrkirche und dem Soldatendenkmal.
Schule: ObjektID: 8248, Gemeindestraße 33, Markt Allhau 312

Vereine: 1948 erfolgte die Gründung des UFC Markt Allhau, der seit 5 Jahren in der Burgenlandliga spielt (Stand 6/2021).

Persönlichkeiten:
Ewald Ritter (* 1953), Politiker und Lehrer
Igor Skalé (* 1948, † 2011), Maler
Helmut Pechlaner, ehem. Tiergarten Direktor Schönbrunn



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