Tadtner Meierhof (Neuhof)

Der Tadtner Meierhof befindet sich in der Siedlung Neuhof südlich von Tadten an der Grenze zu Wallern im Bgld., an der L207 (Tadtener Straße).

Der Gutshof: Im 18. Jahrhundert verbesserte sich die Agrarsituation und dies veranlasste die Gutsherrschaft auf ihren Grundstücken verstärkt Eigenwirtschaft zu betreiben. Zuallererst wurde Schafwirtschaft betrieben.

Durch die Grundentlastung im Jahr 1848 wurden die feudalen Strukturen aufgelöst. Die Hutweide, die zuvor gemeinsam von Gutsherrschaft und Gemeinde bewirtschaftet wurde, wurde geteilt. Die Herrschaft wandelte diese nach und nach in Ackerflächen um. Da die bäuerlichen Robotleistungen nicht mehr vorhanden waren, mussten neue, zu bezahlende Arbeitskräfte angeworben werden, damit die herrschaftlichen Flächen bearbeitet werden konnten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging die Schafwirtschaft zurück und die Milchwirtschaft erlebte einen Aufschwung. Ab diesem Zeitpunkt war der Gutshof der Meierhof geworden. Der erste Gutshof lag am unteren Ende von Tadten. Aufgrund der veränderten Strukturen und der großen Nachfrage nach Milch und Fleisch wurden die Gutshöfe zu großen Verarbeitungsbetrieben für agrarische Produkte. Diese Veränderung bedingte den Bau eines neuen Gutshofes, der um 1900 weit außerhalb des Dorfes angelegt wurde und großzügig mit Stallgebauden, Wirtschaftsräumen und Räumen fur das Personal versehen war.

Die Bevölkerungsentwicklung auf dem Gutshof sah folgendermaßen aus:
1894 42 Personen
1920 84 Personen
1923 172 Personen
1934 168 Personen
1951 147 Personen
1961 61 Personen
1984 10 Personen

Die Rekrutierung von Kolonisten war auf Grund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Taglöhnern, Knechten und nicht erbberechtigten Bauern in den Dorfern nicht allzu schwierig. Die Bewohner des Gutshofes waren Landarbeiterfamilien aus dem ungarischen Gebiet südlich des Hansag, aus esterhazyschen Dörfern zwischen Csorna und Sopron und aus den deutschen Dörfern rund um Tadten. Von den im Jahr 1934 vermerkten 168 Personen sprachen 118 ungarisch.

Der Gutshof bildete ein geschlossenes Sozialsystem und die Bewohner waren von der dorflichen-bäuerlichen Gesellschaftsordnung beinahe ganzlich getrennt. Dies führte auch zu Ressentiments zwischen Dorf- und Gutshofbewohnern. Auf dem Gutshof gab es eine Kantine, einen Schmied und einen Schlosser, das Brot wurde selber gebacken – einmal im Monat wurde eine Messe auf ungarisch gefeiert. Der Gutshof war nahezu autark. Ins Dorf ging man nur zum Einkaufen und die Kinder besuchten dort die Schule. Die Bevölkerungszahl blieb ziemlich konstant, da die Mobilität beschrankt war und die junge Generation der Landarbeiter nach ihrem Schulabschluss in den Dienst der Herrschaft eintrat. Außer der ständigen Bevölkerung des Gutshofes fanden dort auch Taglöhner aus Tadten, Wallern im Bgld. und Sankt Andrä am Zicksee ein Einkommen bei der Rübenarbeit und beim Getreideschnitt. Außerdem waren bis 1938 Wanderarbeiter aus der Slowakei in der Saison tätig. Mit dem Kriegsende und dem Einmarsch der Roten Armee im Jahr 1945 brach die alte Form der Gutshofwirtschaft zusammen. Der Hof wurde von Soldaten besetzt, diese versuchten mit Hilfe von Kommunisten aus dem Dorf, den Hof als Kolchose zu bewirtschaften. Das Experiment schlug fehl. Später wurde aus dem Hof ein sowjetischer USIA-Betrieb, wobei die Russen anfangs rund 200 ha selbst bewirtschafteten. Die weiteren Flächen (1963: 1672 ha) wurden billig an Kleinpächter aus Tadten und Wallern verpachtet. Durch die Veränderungen in den 1950er und 1960er Jahren gab es für die ehemaligen Gutshofarbeiter zu wenig Verdienstmöglichkeiten. Die Mechanisierung und die Aufgabe der Viehwirtschaft in den 1970er Jahren setzten zusätzliche Arbeitskrafte frei. Bereits in den 1950er und 1960er Jahren wanderte die jungere Gutshofbevölkerung nach Wien oder Niederösterreich, um neue Arbeitsplätze zu finden. Einige Familien zogen nach Tadten und begannen dort ein Haus zu bauen, arbeiteten aber teilweise noch auf dem Gutshof weiter.

Text: Kapitel Gutshof aus der Ortschronik Tadten, die vom Historiker Dr. Herbert Brettl geschrieben wurde. Dieser verfasste seine Diplomarbeit zum Thema "Vom feudalistischen zum kapitalistischen Agrarsystem". Brettl, Herbert: Gutshof. In: Gemeinde Tadten (Hrsg.): Chronik Tadten. Menschen und Geschichte. Mattersburg: Wograndl 2007, S. 278 – 284.


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