Dürnbach

Dürnbach im Burgenland (kroatisch: Vincjet, ungarisch: Incéd) ist eine Katastralgemeinde von Schachendorf im südlichen Burgenland, Österreich. Bis 1971 war die Gemeinde selbständig, ehe sie um Zuge der Gemeindezusammenlegungen zur Gemeinde Schachendorf vereinigt wurde.

Geografie: Dürnbach liegt im Südburgenland, im Bezirk Oberwart in einer Entfernung von etwa 18 Kilometern in östlicher Richtung. Der Ort wird vom Dürnbach, der im Ort entspringt und in Burg in die Pinka mündet, in südlicher Richtung durchflossen. Die Seehöhe des Ortes ist 286 m ü. A. Bis zum 11. August 2008 wurde Dürnbach von der B63 durchzogen, die besonders durch den Schwerverkehr stark belastet war. Mit der Eröffnung der Umfahrungsstraße wurde der Verkehr deutlich reduziert.

Geschichte:
Vor 1244: Archäologische Funde in und um Dürnbach und Umgebung, wie zum Beispiel römische Hügelgräber sowie Mauern und Ziegelreste deuten auf erste Besiedlungen in der Römerzeit hin. Weitere Funde verweisen auf kleinere Siedlungen, in denen sich Veteranen nach dem Militärdienst in der Stadt Savaria (heute Steinamanger) niederließen. Während größere Städte, wie das heutige Ödenburg und Steinamanger, nach dem Ende der römischen Herrschaft Pannoniens in den Wirren der Völkerwanderung fast völlig zerstört wurden, blieben kleineren Siedlungen wie das heutige Dürnbach und Zuberbach, die damals eng verbunden waren, fast unberührt. Nach dem Sieg Karl des Großen gegen die Awaren, wurden viele Höfe und Ländereien an Kirchen und Klöster geschenkt. Der Salzburger Kirche wurde das Land „ad siccam Sabariam“ am ausgetrockneten Fluss Sabariabach gegeben. Diese Bezeichnung gilt wohl dem Bach in Dürnbach und nicht dem Bach in Zuberbach (kroatisch "Sabara"). Kirchlich war Großpetersdorf die Urpfarre für Dürnbach und Zuberbach.

Erste Urkundliche Erwähnung: Die erste urkundliche Erwähnung findet sich 1244 unter dem Namen Inches. Er gehörte zum Herrschaftsbereich des ungarischen Geschlechts der Csem, das in Schandorf seinen Sitz hatte. Dürnbach ist ab 1329 eng mit dem der Herrschaften Rechnitz und Schlaining verbunden. 1374 findet sich der Ort unter dem Namen Inceed, 1479 unter dem Namen Inszeeth al. nom. Dewrbach, 1532 unter Dürenbach und 1751 unter Dürrenbach. 1527 ging der Besitz der Herrschaft Rechnitz in das ungarische Herrschergeschlecht Batthyany über. Die Urbare und Dicakonskriptionen (Steuervorschreibungen) aus dem Jahr 1540 lassen auf eine Bevölkerung von 54 Einwohnern in 12 Familien schließen. Nach dem Ende der Belagerung Güns (ungarisch Köszeg) durch Sultan Süleyman I. im August 1532 wurden beim Rückzug des türkischen Heeres etliche Ortschaften zerstört wobei auch Dürnbach in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dies hatte eine Abwanderung in die Zentren Rechnitz und Güns zufolge. Seuchen dezimierten die Bevölkerung weiter, sodass 1540 von den 22 Höfen 10 leer standen.

Die Batthyanys begannen kroatische Bauern und Söldner aus ihren Teilbesitzungen in Kroatien im Südburgenland anzusiedeln, um das öde Land neu zu bewirtschaften und zu bevölkern. In den Urbaren von 1548 tauchen nun erstmals kroatische Familiennamen auf. Verwaltungstechnisch wurde ab dem 17. Jahrhundert in den Urbaren zwischen der so genannten "magyar szer" (ungarische Seite) und der "horvath szer" (kroatische Seite) unterschieden. Bald kam es jedoch zu einer Vermengung der Volksgruppen, sodass auf beiden Seiten deutsche, kroatische und ungarische Familien lebten. Am Anfang des 17. Jahrhunderts ging die ungarisch- und deutschsprechende Bevölkerung in der kroatischsprechenden Bevölkerung auf, was dazu führte, dass Dürnbach ein fast ausschließlich kroatischsprechendes Dorf wurde. 1783 wurde der Bau der heutigen Kirche abgeschlossen. Zahlreiche Brände und Krankheiten (vor allem Cholera im Jahr 1849) führten dazu, dass die Bevölkerung weiterhin sank.

Ab 1900: Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurden die Männer zum Militärdienst eingezogen und die Frauen übernahmen die Arbeit auf den Höfen. 28 Männer des Dorfes kamen im Krieg ums Leben.

1921 kam das vormalig ungarische Dürnbach durch den Anschluss des Burgenlandes zu Österreich. In der Folge der Grenzlage entstanden Absatzprobleme für die Bauern, die bisher ihre Produkte überwiegend nach Szombathely lieferten. Sie mussten sich nach neuen Absatzmärkten umsehen. Viele arbeiteten fortan in den Meierhöfen der Umgebung oder verließen ihre Heimat in Richtung Marchfeld oder andere Teile Österreichs.

Viele wanderten in die USA aus. Trotz allem begannen die ersten Schritte einer Modernisierung und Technisierung, auch durch den langsamen Rückgang der bäuerlichen Bevölkerung und dem damit verbunden Verlust von Arbeitskräften und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in der Wirtschaftskrise. 1926 und 1927 wurden die Gehsteige mit Zement versehen. Im Mai 1934 wurde die "ständestaatliche Verfassung" verlautbart. Parteien wie die Sozialdemokraten wurden verboten, andere lösten sich auf und der Gemeinderat wurde ab dann auf Vorschlag der Vaterländischen Front neu gebildet. 1941 wurde Dürnbach elektrifiziert und 1943 gab es den ersten Traktor.

Gegner (Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten) begannen Widerstand zu leisten, der auch in Dürnbach Fuß fasste und zuerst gegen die Vaterländische Front und ab dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich gegen das Nationalsozialistische Regime gerichtet war. Es bildete sich eine etwa 30 Mann starke Widerstandsgruppe aus dem Raum Rechnitz, Schachendorf und Dürnbach. Schon ab 1938 von der Gestapo beobachtet, wurden die Mitglieder Anfang der 1940er verhaftet und angeklagt. Der Anführer des kommunistischen Widerstandes, der aus Dürnbach stammende Schneider Johann Balaskovits (1894–1942), wurde 1942 zusammen mit zwei weiteren Mitstreitern der Gruppe wegen Hochverrats hingerichtet. Die anderen wurden mit langjähriger Haft in den Konzentrationslagern Dachau und Mauthausen bestraft, wovon einige die Haft nicht überlebten. Nach dem Anschluss Österreichs, wurde das Burgenland aufgelöst und zwischen den Gauen Niedergau (Niederösterreich) und der Steiermark, zu dem Dürnbach fiel, aufgeteilt. Im Oktober wurde die Deutsche Gemeindeordnung in Kraft gesetzt und damit traf Bürgermeister Johann Wallner von der NSDAP allein die Entscheidungen. Ende 1944 musste die Bevölkerung beim Stellungsbau bei der österreichisch- ungarischen Grenze, dem so genannten Südostwall, im Zuge der Reichsverteidigung mitarbeiten, bei dem auch Ostarbeiter und aus dem ungarischen Szálasi-Regime deportierte Juden unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten. Insgesamt waren etwa 300.000 Menschen am Bau beteiligt. Teilweise nur wenig Transportmöglichkeiten und nur unklare Befehlsstrukturen beschwerten den Kampf am Südostwall gegen die Rote Armee, die seit März 1945 im Zuge der „Operation Wien“ von Westungarn nach Österreich zukam. Zum Endes des Krieges war eine 700 Mann starke Volkssturm- Einheit, wovon 42 aus der Ortschaft stammten, in Dürnbach stationiert. Diese löste sich auf und zerstreute sich am 31. März 1945. Am 4. April 1945 erreichten aus Richtung Osten Einheiten der 3. Ukrainischen Front Dürnbach. Nach einem vier Stunden andauernden Straßenkampf, in dem mehrere Häuser und 20 Wirtschaftseinrichtungen zerstört wurden, wurde Dürnbach erobert. Mehrere Wohnhäuser und die Kirche wurden teilweise schwer beschädigt. Um den Ort lagerten 20.000 Russen; es kam verhäuft zu Überfällen. Bürgermeister Wallner wurde in der Burg Schlaining im Verlauf der Entnazifizierung inhaftiert. Im Zweiten Weltkrieg hatte Dürnbach 43 gefallene und 10 verschollene Soldaten zu beklagen, zudem starben 7 Zivilisten.

Nach Kriegsende: In der Nachkriegszeit kam die landwirtschaftliche Dominanz der Ortschaft zugute, sodass Tauschhandel mit Lebensmitteln in Städten betrieben werden konnte. In der Besatzungszeit unter den Russen fingen Kriegsheimkehrer ihre Arbeit am Feld und in den meist familieneigenen Handwerksbetrieben wieder an, aufzunehmen.

Durch die mangelnde Industrie und Infrastruktur ging jedoch auch der Wirtschaftsaufschwung in den 1960er und 1970er Jahren in Dürnbach bald vorbei. Trotzdem kam es zur Weiterführung der Technisierung der Landwirtschaft, Fertigstellung der Kanalisation und des Straßenbaus und zur allgemeinen Besserung des Lebensstandards. Auch das Berufsfeld änderte und erweiterte sich – Dürnbach wurde zu einem typischen Pendlerort. In der Pfarre gewann die Erhaltung der kroatischen Kultur und Sprache an Bedeutung.

Am 1. Jänner 1971 wurden die Ortschaften Schachendorf, Schandorf und Dürnbach im Zuge des Gemeindestrukturverbesserungsgesetzes zur Gemeinde Schachendorf zusammengelegt. Seit Jänner 1996 ist Schandorf jedoch wieder eine eigene Gemeinde.

Der Fall des Eisernen Vorhangs (neue Absatzmärkte) und der EU- Beitritt Österreichs 1995 (Reduktion von Preisen auf dem Markt und Priesen von Betriebsmitteln) beeinflussten die immer noch wichtige Landwirtschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Familien-Kapelle Dobrovits: Einer der Inschriften lautet: Friedrich Drobrovits, Gefallen 1945 im 18. Lebensjahr.
Gedenkstätte Vukits: Steinernes Kreuz mit der Aufschrift Stefan Vukits, 15. September 1942.
Glockenstuhl/Wetterturm: vor dem Haus Dürnbach 100. denkmalgeschützt unter der Objekt-ID 8497. Der Holzblockbau des Glockenstuhls steht auf dem Dorfanger und wurde 1674 erstmals urkundlich erwähnt.
Kath. Kirche Mariä Himmelfahrt: Die römisch-katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche Dürnbach steht mit dem Friedhof auf Gemeindegebiet vom Markt Neuhodis an der Nordgrenze des Ortes Dürnbach im Burgenland der Gemeinde Schachendorf im Bezirk Oberwart im Burgenland. Sie ist dem Fest Mariä Himmelfahrt geweiht und gehört zum Dekanat Rechnitz in der Diözese Eisenstadt. Die Kirche und der Friedhof stehen unter Denkmalschutz. Die Pfarre wurde bereits im Mittelalter (vor 1428) errichtet. 1698 wurde der Sitz der Pfarre von Hodis nach Dürnbach verlegt, der Pfarrhof befindet ist mittig in Dürnbach. Die ursprüngliche Pfarrkirche, die den Heiligen Peter und Paul geweiht war, wurde um 1780 abgerissen und von 1781 bis 1783 neu gebaut. Die Kirche wurde 1936 innen und 1982 außen renoviert. Rund um die Kirche liegt ein Friedhof mit Mauern. In diese sind Kapellen mit Kreuzwegstationen integriert. Die Kirche ist eine weiträumige Saalkirche. Der vorgebaute Südturm wird von einem Zwiebelhelm bekrönt. Der eingezogene Chor ist flachrund geschlossen. Das Kirchenschiff besteht aus drei breiten Jochen. Zwischen Doppelgurten, die auf Pilastern ruhen, ist Platzlgewölbe. Die dreiachsige Empore weist eine vorgebauchte Brüstung auf und ist platzlunterwölbt. Sie stammt aus dem Jahr 1783. Der Triumphbogen ist durchlaufend gekehlt. Über dem Chor ist Platzlgewölbe, in der Apsis Schalengewölbe. Die Wandmalereien wurden um 1900 in Beuroner Manier vom Benediktinerpater Lukas aus dem Stift Seckau gemalt. Der klassizistische Hochaltar entstand um 1790. Das verkröpfte Gesims wird von sechs Säulen getragen. Das Gesims ist in der Mitte aufgewölbt und beinhaltet ein Bild „Mariä Himmelfahrt“ von Stephan Dorfmeister aus dem Jahr 1794. Die Holzschnitzfiguren wurden 1958 restauriert. Seitlich sind der heilige Florian und der heilige Antonius zu sehen. Über dem Gebälk sind Engel und Putten dargestellt. Der linke Seitenaltar wurde um 1700 gebaut. Er besteht aus einer flachen Wand mit Akanthusrahmen. Das Altarbild zeigt den heiligen Johannes Nepomuk. Es wird von Schnitzfiguren der Heiligen Leonhard und Donatus flankiert. Die Kanzel ist eine einfache Tischlerarbeit aus dem Jahr 1783. Die vier barocken Sitzfiguren der vier Evangelisten stammen aus dem Jahr 1748. In der Sakristei steht ein Paramenteschrank mit Beichtstuhl aus der Zeit um 1790. Die Orgel wurde 1789 gebaut. Die Glocke wurde von Andreas Haller 1831 in Szombathely gegossen.
Kriegerdenkmal: gegenüber der Kirche, Quadratisches Denkmal auf vierstufigen Sockel gekrönt mit einer Statue der Pieta vor einem Kreuz.
Kroatische Wallfahrtskirche in der Diözese: Dürnbach 193, seit 1988 findet in Dürnbach neben Mariazell, Loretto und Eisenstadt-Oberberg eine der vier großen Jahreswallfahrten der Burgenländischen Kroaten zur "Majka Božja Vincjecka" (= Gnadenbild von Dürnbach) statt. In Dürnbach befindet sich die einzige kroatische Wallfahrtskirche in der Diözese. Der Innenraum ist kunsthistorisch wertvoll gestaltet. Das Hauptaltarbild stammt von Stefan Dorfmeister. Sie birgt einige Besonderheiten wie eine geheimnisvolle Madonna.
Madonna mit Kind: Eine Besonderheit der Kirche ist das halb von Engel verdeckte Relief einer Madonna mit Kind. Alter und Herkunft des Kunstwerks liegen im Dunkeln. Die Marienverehrung hat bei den burgenländischen Kroaten eine lange Tradition.
Ortsmuseum: Dürnbach besitzt seit 1978 ein auf Initiative des Verschönerungsvereines Schachendorf eingerichtetes Ortsmuseum ("Selski muzej"), in dem bäuerliche und handwerkliche Geräte sowie Möbel ausgestellt sind.
Überbleibsel einer abgerissenen Kirche: Im 16. Jahrhundert stand zwischen Dürnbach und Zuberbach eine Kirche die Peter und Paul geweiht war und Petrica genannt wurde. Sie diente beiden Dörfern als Pfarrkirche, wurde aber abgerissen.
Wegkapelle hl. Florian: Wegkapelle hl. Florian an der Kreuzung der ehemaligen B63 mit der L375, denkmalgeschützt unter der Objekt-ID 8498.

Vereine:
Freiwillige Feuerwehr: Die Freiwillige Feuerwehr Dürnbach wurde am 19. Mai 1924 gegründet. Nachdem der Verein anfänglich im Gemeindehaus untergebracht war, wurde 1949 ein eigenes Feuerwehrhaus errichtet. Ab 1990 erfolgte die Errichtung eines neuen Feuerwehrhauses, das am 13. Juni 1993 gesegnet wurde. Von 2008 bis 2011 wurde dieses erweitert.
Kultur-, Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Dürnbach: Der Verein wurde am 28. März 1978 gegründet. Der Vereinszweck ist die Pflege und Erweiterung des Fremdenverkehrs im Vereinsgebiet, der Schutz des Ortsbildes, die Denkmal- und Heimatpflege und die Ausübung der Heimatbräuche. Das wichtigste Anliegen des Vereines ist die Erhaltung der kroatischen Sprache und Kultur und die Pflege der kroatischen Sitten und Bräuche im überwiegend kroatischen Ort Dürnbach.
Pensionisten- und Seniorenverein "Sloga – Einigkeit": Die Anliegen des 1993 gegründeten Vereines sind, sich neben den Belangen der älteren Generation um die kroatische Kultur und Sprache zu kümmern. Dazu werden das ganze Jahr über verschiedene Veranstaltungen angeboten.
Tamburizzagruppe Skupcina: Ziel des Tamburizza- und Folklorevereins Skupcina ist es, die kroatischen Volkslieder in Dürnbach nicht komplett in Vergessenheit geraten zu lassen. Darüber hinaus präsentiert der Verein die Musik der Kroaten auch außerhalb der Dorf- und Landesgrenzen

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