Lackenbach

Lackenbach (ungarisch: Lakompak, kroatisch: Lakimpuh) ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland. Entwässert wird Lackenbach durch den Graben von Lackenbach vom Gaberlingbaches und vom Selitzabach, welcher nördlich von Lackenbach, beim Helenenschacht entspringt.

Geografie: Die Gemeinde liegt im Mittelburgenland.

Nachbargemeinden: Sieggraben (Bez. Mattersburg, Bgld.) Rohrbach (Bez. Mattersburg, Bgld.) Sopron (Ödenburg, Ungarn) Weppersdorf (Bez. Oberpullendorf, Bgld.) Lackendorf (Bez. Oberpullendorf, Bgld.) Markt Sankt Martin (Bez. Oberpullendorf, Bgld.) und Unterfrauenhaid (Bez. Oberpullendorf, Bgld.).

Geschichte: Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. Später unter den Römern lag das heutige Lackenbach dann in der Provinz Pannonia. Zwischen 1548 und 1552 entstand in Lackenbach ein Kastell. Nach 1670/71 siedelten sich aus Wien vertriebene Juden hier an.

Seit dem 18. Jahrhundert gehörte Lackenbach zu den Fürstlich Esterházy'schen Siebengemeinden mit weitgehend autonomer innerjüdischer Verwaltung. 1869 lebten hier 770 Juden – 62 % der Einwohner. Im 20. Jahrhundert nahm ihre Zahl ab; 1934 gab es noch 346 Juden in der Gemeinde.

Nach dem Anschluss 1938 wurden die Lackenbacher Juden in Lastwagen nach Wien gebracht, 1942 wurde die Synagoge gesprengt. Der jüdische Friedhof ist bis heute erhalten und zählt über 1700 Grabsteine. Hier befindet sich das Grab von Markus Mordechai Schey, dem Großvater mütterlicherseits von Arthur Schnitzler, sowie von Philip Baron Schey von Koromla (* 20. September 1798 in Güns; † 26. Juni 1881 in Baden bei Wien), u. a. Stifter der Synagoge Güns, der am 3. März 1859 als der erste ungarische Jude in den österreichischen Adelsstand (als Edler von Koromla) erhoben worden war.

Der Ort gehörte, wie das gesamte Burgenland, bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Lakompak verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland.

Auf dem Gemeindegebiet entstand 1940 das "Zigeuner-Anhaltelager Lackenbach" auf einem ehemaligen esterházyschen Gutshof. Die Lagerinsassen, überwiegend Burgenland-Roma, mussten hier Zwangsarbeit leisten und wurden ab 1943 teilweise in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet. Ende März 1945 setzte sich die Lagerleitung beim Heranrücken der sowjetischen Armee ab, so dass es zu keinen opferreichen Todesmärschen kam.

Am 7. November 2012 wurde Lackenbach zur Marktgemeinde erhoben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Figurenbildstock, Antoniussäule: ObjektID: 67008, vor Stoober Allee 7, die Weinlaubsäule am südwestlichen Ortsausgang stammt aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts und trägt heute eine neue Figur des Heiligen.
Jüdischer Friedhof: ObjektID: 67009, hinter Ritzinger Straße 54, der jüdische Friedhof nördlich der Kirche enthält Grabsteine des 18. bis 20. Jahrhunderts.
Kath. Pfarrkirche hll. Petrus u. Paulus: ObjektID: 49903, Bergstraße 30a. Die römisch-katholische Pfarrkirche Lackenbach steht auf einem ansteigenden Längsacker in der Gemeinde Lackenbach (ungarisch: Lakompak, kroatisch: Lakimpuh) im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland. Sie ist den Heiligen Petrus und Paulus geweiht und gehört zum Dekanat Deutschkreutz. Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Die Pfarrkirche Lackenbach wurde 1222 erstmals urkundlich als "ville Sancte Marie" erwähnt. Das bedeutet, dass zur damaligen Zeit eine Kirche oder Kapelle existierte, die der heiligen Maria geweiht war. 1410 wird erstmals von einem Seelsorger in Lackenbach berichtet. Ab 15. Jahrhundert wurde die Pfarre von der Pfarre Unterfrauenhaid aus betreut. Zu dieser Zeit gab es in Lackenbach kein eigenes Gotteshaus. Die Bewohner waren römisch-katholisch während der Grundherr aber evangelisch war. In den Jahren 1548 bis 1552 wurden das Schloss Lackenbach und die dazugehörige Kapelle nach Plänen von Erasmus Teuffl errichtet. 1618 übernahm Fürst Nikolaus Esterházy das Schloss und holte zur Missionierung der Bevölkerung zwei Jesuiten aus dem Kloster in Trnava, in der heutigen Slowakei. Aus einem Visitationsbericht des Bischofs von Gyor, György Draškovic, aus dem Jahr 1640 geht hervor, dass Lackenbach zum damaligen Zeitpunkt eine Filiale von Unterfrauenhaid war. 1663 wurde Lackenbach zur eigenständigen Pfarre erhoben. Anfangs diente die Schlosskapelle, die dem heiligen Nikolaus geweiht war, als Treffpunkt der Pfarrgemeinde. Nach deren Brand im Jahr 1806 wurde der Speisesaal des Schlosses zur neuen Schlosskapelle umfunktioniert. 1917 wurde erstmals in Erwägung gezogen, eine eigenständige Kirche außerhalb des Schlosses zu errichten. Auf Grund der beiden Weltkriege musste dieses Vorhaben aber auf längere Zeit verschoben werden. Die bereits gesammelten Spenden gingen in den Wirren der Weltkriege verloren. Erst Pfarrer Gustav Schwarz griff die Kirchenbaugedanken im Jahr 1953 wieder auf. Die Grundsteinlegung erfolgt am 10. Juli 1955. 1962 erfolgte die Einweihung der nach Plänen von Johann Petermair errichteten Kirche durch Bischof Stephan László.
Kenotaph für Matthias Tarrody: ObjektID: 67010, Schlosspark, der steinerne Truhensarkophag mit Satteldach erinnert an Matthias Tarródy, der 1620 in der Schlacht bei Lackenbach gefallen ist. Das Denkmal wurde 1623 errichtet. 1953 wurde das Tarródy-Denkmal in die Bahnstraße und 2012 in den Schlosspark versetzt.
Mariensäule: ObjektID: 67011, vor Bahnstraße 3, die Weinlaubsäule steht nahe dem Eingang zum Schloss und trägt eine Steinfigur der heiligen Maria mit dem Kind aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Schloss Lackenbach: ObjektID: 48987, Schloßgasse. Das Schloss Lackenbach (ungarisch: Lakompaki kastély) als ehemalige Wasserburg steht südöstlich des Ortes Lackenbach im Burgenland, Österreich. Die ehemalige Wasserburg wurde in den Jahren 1548 bis 1552 von Erasmus Teuffl erbaut und unter Erzbischof Nicolaus Oláh mit dem Architekten Geronimo Mariano erweitert. 1618 gelangte das Schloss in Besitz von Graf Nikolaus Esterházy. Im Jahre 1806 ist das Schloss teilweise abgebrannt, danach wurde der Nordwestflügel nicht wieder aufgebaut. Der Wassergraben ist noch teilweise erhalten. Das Schloss besteht aus einem zweigeschoßigen Hauptbau mit einem langgestreckten ebenerdigen Wirtschaftsgebäude und einem Verwalterstöckl. Das rundbogige Hauptportal hat noch die Rollen der ehemaligen Zugbrücke. Über dem Hauptportal ist eine Marienstatue und ein Doppelwappen Esterházy-Dersffy.
Zigeunermahnmal: ObjektID: 67012, Ritzingerstraße/Bergstraße, das Zigeunermahnmal erinnert an das von den Nationalsozialisten in einem Gutshof im November 1940 errichtete "Zigeunerlager", in dem Roma und Sinti unter unmenschlichen Bedingungen interniert wurden. Von rund 4000 dort Festgehaltenen erlebten nur 300 bis 400 die Befreiung des Lagers im Jahr 1945. Das Zigeunermahnmal wurde am 6. Oktober 1984 unweit des ehemaligen Lagers für die hier internierten und von hier deportierten Roma und Sinti errichtet, die Gestaltung übernahm der Architekt Matthias Szauer.

Musik: Jugendmusik Lackenbach

Söhne und Töchter:
Mida Huber (geboren 1880 auf Schloss Lackenbach; verstorben 1974), österreichische Schriftstellerin, Lyrikerin und Mundartdichterin
Julius Deutsch (geboren 1884 Lackenbach; verstorben 1968), österreichischer Sozialdemokrat und General im Spanischen Bürgerkrieg
Rudolf Sarközi (geboren 1944 im "Zigeuner-Anhaltelager Lackenbach"; verstorben 2016), bekannter Roma-Vertreter

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