Kaisersteinbruch

Kaisersteinbruch (ungarisch Császárkobánya) ist eine Katastralgemeinde in der Großgemeinde Bruckneudorf im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland.

Die an den waldreichen, nordwestlichen Hängen des Leithagebirges errichtete Siedlung war seit der Antike vom hier vorhandenen Kalkstein bestimmt. 1551 berief Kaiser Karl V. italienische Steinmetze und Bildhauer in die Steinbrüche. So entstand ein Zentrum hoher Steinmetzkunst.

Bedingt durch die jahrelangen Türkenkriege übernahmen deutsche Steinmetze die Kaisersteinbrucher Bruderschaft; sie heirateten in die "wälschen" Familien ein. Nach dem Sieg über die Türken bestimmten vor allem die Architekten Johann Bernhard Fischer von Erlach, sein Sohn Joseph Emanuel Fischer von Erlach und Johann Lucas von Hildebrandt sowie der Steinmetzmeister Elias Hügel das Bild der kaiserlichen Residenzstadt mit seinen Wiener Bauten.

Geschichte: Im Blauen-Bruch des Leithagebirges, auf dem Truppenübungsplatz, finden sich Knochen und Zähne, die Rückschlüsse auf die vor 15 Millionen Jahren hier lebenden Meerestiere erlauben. Hier existierten unter anderem Haie, Seekühe, Zahn- und Bartenwale. An Land stellten Palmen, Wasserfichten, Wasserulmen, Kieferngewächse und Platanen die Flora dar, in welcher sich Affen, Krokodile, Nashörner und Landschildkröten bewegten. Aus dem Einsiedler-Bruch stammt der bemerkenswerte Fund einer Phalange (Fingerknochen) eines sehr sonderbaren, in der Gegenwart ohne Verwandte dastehenden Huftieres: Ancylotherium. Es wird im Naturhistorischen Museum aufbewahrt.

Eine Pfeilspitze in einem Pferdewirbel, gefunden in einer Höhle des Blauen Bruches – ein Beweis für die ältesten schweren Hauspferde – belegt erste Besiedlungsspuren zur Eisenzeit (800 bis 700 vor Christus) und wird im Landesmuseum Burgenland aufbewahrt.

Römisches Castrum: Auf dem Boden des Öden Klosters fand 1903 der Archäologe Maximilian Groller von Mildensee bei Ausgrabungen drei Siedlungsschichten. Zuunterst Reste eines römischen Gutshofes (Herrenhaus, Baureste mit Heizanlage), an diesen Gebäuden vorbei führte die Römerstraße von Carnuntum über das Leithagebirge.

Sie war ein Stück der urgeschichtlichen Bernsteinstraße, die Ostsee und Adria verband. In der Nähe der Villa wurde im 6. Jahrhundert ein langobardischer Friedhof angelegt.

Um 800 wurde quer durch die römischen Grundmauern ein mit Eckturm und Verschanzungen befestigter Königshof angelegt, wie er den Kaisern der Karolingerzeit, die noch über keine feste Residenz verfügten, bei ihren Reisen im Reiche als Quartier und Verpflegungsstätte diente. Später ging das Gebiet in den Besitz ungarischer Könige über.

Königliche Schenkungen an die Zisterzienser: König Imre schenkte es 1203 den Zisterziensern von Heiligenkreuz. Das Kloster war durch Stiftungen in Ungarn reicher begütert als in Österreich, so erwog es 1206 bis 1209 eine Verlegung nach Westungarn. Es wurde mit dem Bau einer großen Kirche im Gelände des Königshofes begonnen, doch blieb die Anlage unvollendet.

Die Schenkung von 1203 wurde den Zisterziensern wiederholt bestätigt. Auch König Karl Robert aus dem Hause der Anjou erneuerte 1317 die Rechte und Freiheiten der Niederlassung.

Nach der Zerstörung des Königshofes durch die Türken im Jahre 1529 verpfändete Abt Johann V. 1531 das Gut auf 50 Jahre. In dieser Zeit verfiel die Niederlassung bis auf eine Kirchenruine. 1937 ist das letzte gotische Fenster des Öden Klosters eingestürzt. Bei Steinbruchbegehungen in den 1990er Jahren waren noch Mauerreste mit scharfen Kanten zu erkennen, diese sind durch militärische Übungen endgültig beseitigt worden.

Kaisersteinbrucher Stein – Kaiserstein: Die Ausgrabung des römischen Gutshofs, Grabsteine, unter anderem im Schloss Königshof, bezeugen, dass bereits die Römer hier Steine gebrochen und bearbeitet haben. Besonderes Beispiel ist der Grabstein des Titus Calidius Severus aus Carnuntum in der Antikensammlung des KHM in Wien.

Unter dem Kaisersteinbruch versteht man nicht einen Steinbruch, sondern je nach Auftragslage mehrere. 1901 und 1912 wurden technische Daten der Brüche Buchthal-Bruch, Wald-Bruch (Ödenkloster-Bruch), Kapellen-Bruch, Haus-Bruch und Teuschl-Bruch erhoben. Weiters wurden genannt: Zeiler-Bruch (Pansipp-Bruch), Amelin-Bruch, Kaiserstein-Bruch, Blauer-Bruch, Schwarzer Marmor-Bruch, Kavernen-Bruch und Winkler-Bruch, sowie Alter Teuschl-Bruch, Gesellschafts-Bruch, Kowel-Bruch, Theresien-Bruch, Salzleck-Bruch und Kobaldischer Bruch. In einem zeitgenössischen Bericht ist zu lesen: "Die kleine Ortschaft ist von Steinbrüchen ganz umgeben und ihre Häuser sind fast gänzlich unterminiert."

Eigenständige Viertellade, incorporiert Jois, Winden und Sommerein: Am 13. Juni 1576, beim Bau von Schloss Neugebäude, wurde der neue Steinbruch am Leythaberg erstmals urkundlich erwähnt.

1617 erhielt die Bruderschaft der Kaisersteinbrucher Meister den Status einer Viertellade, die der Hauptlade in Wiener Neustadt zugeordnet war. Zur Viertellade gehörte das Steinmetzhandwerk zu Sommerein (bis 1783, dann zu Bruck an der Leitha) und Winden am See und Jois (bis zuletzt). Das kaiserliche Privileg der Handwerksordnung regelte das Zusammenleben. Vor allem die regelmäßig stattfindenden Zusammenkünfte waren ein Ärgernis für die Herrschaft, das Stift Heiligenkreuz. Denn diese italienischen Meister waren einzig dem Römischen Kaiser untertan. Sie stellten sich unter den Schutz des obersten Landesherrn als Vertreter Gottes auf Erden, keinesfalls einer anderen Instanz.

Stiftsverwaltung im Schloss Königshof: Vom 1. Jänner 1601 bis 1912 befand sich im Schloss Königshof die herrschaftliche Verwaltung für umliegende Besitzungen des Stiftes Heiligenkreuz; höchste Instanz war der Verwalter als Vertreter des Abtes. Konflikte entstanden, als die Steinmetzen ihre Handwerks-Freiheiten ausüben wollten, auch wenn sie nun Untertanen der Stiftsverwaltung geworden waren.

Am 8. Juni 1634, Gerichtstag im Steinbruch, legte Abt Michael Schnabel das erste Bannbüchel vor. Erster Richter wurde Andre Ruffini.

"Die Bewohner des Ortes Steinbruch in Ungarn verweigerten dem Stifte seit dem Jahre 1608 die Unterthänigkeit; aber der Abt Michael wußte sie im Jahre 1653 durch kluge Handlungsweise zur Pflicht des Gehorsams zurückzuführen" Der so genannte Adlerstreit um die Anbringung des Kaiseradlers im Ort und auf dem Kirchturm gipfelte 1652 bei der Kirchweihe. Kaiser Ferdinand III. bestätigte am 13. Dezember 1650 die Handwerksordnung mit dem Bild der großen Zunftfahne für die Kaisersteinbrucher Bruderschaft.

Befreiung von militärischer Einquartierung: Die Steinmetzen verstanden es, sich bei Kaiser Ferdinand III. Gehör zu verschaffen, der daraufhin die Meister Andre Ruffini, Pietro Maino Maderno, Hieronymus Bregno, Ambrosius Regondi und Domenicus Petruzzy von allen öffentlichen Abgaben und Leistungen befreite und ihnen den kaiserlichen Adler an ihren Häusern zu führen gestattete. Die Bestätigung erfolgte am 5. Dezember 1646.

1660 gewährte Kaiser Leopold I. der Kaisersteinbrucher Bruderschaft das Salva Guardia-Privileg: frei zu sein, für sich und ihre Nachkommen von jeglicher militärischer Einquartierung.

1661 beschwerte sich die ungarische Hofkammer, dass die Kaisersteinbrucher für ihre Steine keinen Zoll entrichten. So kam es am 14. August 1708 zur Gründung eines Dreißigstamtes in der Ortschaft.

Türkeneinfall vom 10. Juli bis 20. September 1683: Viele Kaisersteinbrucher ließen alles liegen und stehen, ein Teil ging in die Feste Trautmannsdorf, während sich die meisten in den Einsiedlerbruch und in dessen Nähe verkrochen. Insgesamt entstand beim Türkeneinfall beträchtlicher Schaden an Gebäuden und Kulturen, auch am Heiligenkreuzer Verwaltungssitz in Königshof. Die Abgaben und Steuern, die in der Folge vom Grundherr erhoben wurden, belasteten die Untertanen; sie verweigerten neuerdings den von der ungarischen Hofkammer vorgeschriebenen Zoll, den Dreißigst, für die Ausfuhr ihrer Steine.

Markt Ungarisch-Steinbruch: In dem entlegenen, von ungarischer Seite nur schwer zugänglichen Ort, lockte die Konjunktur des Steinmetzgewerbes auch andere Wirtschaftszweige an, durch diese Nachfrage wurde das Marktrecht verliehen. Kaisersteinbruch wurde Ende des 17. Jahrhunderts zu einem Umschlagplatz für Grenzschmuggel, weshalb schließlich eine Filialstation des königlichen Dreißigstgrenzzolles eingerichtet wurde. Am Markttag brachte eine Zählung der Herrschaft 56 Handwerker und Kaufleute in Kaisersteinbruch. Diese Märkte zogen Menschen aus nah und fern nach Kaisersteinbruch und wurden so zu einer weiteren Säule der wirtschaftlichen Blüte. Die Marktgemeinde Kaisersteinbruch bestand bis 1970.

Auf der "Kleinen Niederösterreichkarte" des Jahres 1687 von Georg Matthäus Vischer ist der Ort Kaisersteinbruch erstmals eingetragen. (Niederösterreichische-Landesbibliothek, Kartensammlung A IV 78)

Freimaurertempel Kaisersteinbruch 1695: Auf dem Siegel rechts ist das Zunftzeichen der Steinmetze zu sehen, Winkelmaß und Zirkel, das 1723 auch von der ersten Großloge der Freimaurer in England als Symbol ihrer Vereinigung übernommen wurde.

Die Grabplatte des Steinmetzmeisters Martin Trumler von 1705 ist mit dem Freimaurersymbol verziert und gibt damit einen wichtigen Hinweis.

Der Wiener Akad. Maler Stefan Riedl stellt die Gründung der Freimaurerloge in Kaisersteinbruch dar. Die geistige Grundlage war: PICTORIBUS ATQVE POETIS QVIDLIBET AVDIENDI SEMPER FVIT AEQVA POTESTAS (Zitat Horaz). Die deutsche Übersetzung sinngemäß: Maler und Dichter folgen zu Recht ihren kühnen Eingebungen, dargestellt werden im oberen Bereich die Heilige Dreifaltigkeit, Leonardo da Vinci, Michelangelo, Vitruv, Platon, Palladio, Pythagoras. Die beiden, das Blatt begrenzenden Säulen, links die Schwurhand der Zisterzienser, im Sockel das Freimaurersymbol (wie auf dem Martin Trumler Epitaph), rechts der kaiserliche Doppeladler (zugleich das Salva Guardia-Privilegium für Kaisersteinbruch).

Zu sehen ist der Kirchenplatz zu Kaisersteinbruch, rechts der Pfarrhof, links das Kirchengebäude mit der vom Kaiser befohlenen Kapelle. Der Künstler hat zwei Zeitebenen ineinander verwoben, die Menschen des 17. Jahrhunderts, durch ihre Kleidung zu erkennen, und einige Menschen der Gegenwart, die den Kirchenplatz begehen. Manche Personen der Vergangenheit sind heute Lebenden sehr ähnlich. Auch wenn die Darsteller verschiedener Zeiten eng beieinander stehen, kann es keine Berührung geben.

Text der beiden Schriftfelder (auszugsweise):
(links:)INAUGURATIO TEMPEL ... 1687 König von Ungarn Joseph I. ab 1690 JOSEPHUS ROMANORUM REX, Großherzog COSIMUS III. MEDICI, Kardinal FRANCISCUS ALBANI, SILVESTRO VALIERO Doge von Venedig, GOTTFRIED WILHELM v. LEIBNITZ, Freiherr ...

(in der Mitte:) ein hoheitsvolles Symbol des herrschenden römisch-deutschen Kaisers Leopold I. (HRR) des Glorwürdigen (KHM, Kunstkammer). Wahlspruch: CONSILIO ET INDUSTRIA („Durch Klugheit und Beharrlichkeit“)

(rechts:) Der Wille zum Guten wird den Sieg ermöglichen - Steinmetz und Baumeister, beide errichten sie den TEMPEL Steinmetzmeister: Martin Trumler, Giovanni Battista Passerini, Sebastian Regondi, Pietro della Torre, Meister vom Stuhle und Herr Richter Ambrosius Ferrethi ... sowie der Lehrling Elias Hügel. Maurermeister: Georg Röckh, Mathias Juschitz, Vitus Tiefenbrunner ...

Der Maler Stefan Riedl hat sich links zur Arbeit hingesetzt; Helmuth Furch, der dieses Geschehen vor dem Vergessen bewahrt hat, weist auf den Tempel hin.

Am Samstag, dem 6. September 2014 um 16 Uhr erfolgt in der Kaisersteinbrucher "Alten Schule" die endgültige Übergabe als Dauerleihgabe an die Großgemeinde Bruckneudorf-Kaisersteinbruch.

Karl VI. bestätigt die Viertellade des Handwerks und die Handwerksordnung: Durch den Ausbruch der ungarischen Rebellion, mit dem Beginn des Kuruzzenrummels im Jahre 1703, war es den Meistern und Gesellen nicht mehr möglich, an den Zunftversammlungen in Wiener Neustadt teilzunehmen, weil Streifen der ungarischen Aufständischen jeden Reiseverkehr unterbanden. Nach 1711 brach die Pest aus und wegen der Ansteckungsgefahr war die Verbindung weiterhin unterbrochen. Kaiser Karl VI. genehmigte 1714 die neuerliche Errichtung einer Viertellade der Maurer und Steinmetzen in Kaisersteinbruch, die der Hauptlade in Wiener Neustadt unterstand. Die Zunftordnung umfasste die Ordnung der Meister, sowie die Ordnung der Poliere und Gesellen.

Maria Theresia bestätigt das Salva Quardia-Privileg und die Handwerksordnung: 1743 erneuerte und bestätigte Königin Maria Theresia – Sacracissima Regia Majestas – der Kaisersteinbrucher Bruderschaft das von ihrem Vater Kaiser Karl VI. 1712 gewährte Salva Quardia-Privilegium. Das Dokument nennt die Meister Elias Hügel, Joseph Winkler, Johann Baptist Regondi, Maximilian Trumler, Johann Paul Schilck und Franz Trumler.

Am 13. Juli 1747 bekräftigte Maria Theresia, von Gottes Gnaden Römische Kaiserin, den Meistern in Unserem kaiserlich-königlichen Steinbruch am Leythaberg die Handwerksordnung und Freiheiten.

Einquartierung französischer Truppen von 17. Juli bis 12. November 1809: Die Gemeinde wurde durch die feindlichen Truppen sehr stark belastet, durch Quartier in den eigenen Häusern und im herrschaftlichen Wirtshaus, Geldzumessungen, durch Hafer und Heu für 53 Pferde geben … dass noch die Kindeskinder an den mehr als 29.000 Gulden bezahlen müssen. Die Herrschaft forderte, zur Schuldenbegleichung das Wiener Kapital der Bruderschaft aufzukünden.

Das um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Bruck an der Leitha errichtete Lager war bestrebt, sich immer weiter auszudehnen. Ein riesiger Truppenübungsplatz mit aller erforderlichen Einrichtung zur Ausbildung eines modernen, schlagkräftigen Heeres sollte angeschlossen werden. Das k.u.k. Militärärar ging daher schrittweise daran, alle in Betracht kommenden Ländereien anzukaufen. Schon längere Zeit wurde auch Königshofer Stiftsgut in Erwägung gezogen und an das Stift mit dem Ersuchen um Überlassung von 60 Joch herangetreten.

Im ungarischen Parlament war der Antrag eingebracht worden, das Gebiet, das die Heiligenkreuzer Mönche vor über 700 Jahren von König Emmerich geschenkt erhielten, zu erwerben, was einer de facto Enteignung gleichgekommen wäre.

Persönlichkeiten:
Michael Schnabel, Abt des Stiftes Heiligenkreuz 1637–1658
Clemens Schäffer, Abt des Stiftes Heiligenkreuz 1658–1693
Marian Schirmer, Abt des Stiftes Heiligenkreuz 1693–1705
Gerhard Weixelberger, Abt des Stiftes Heiligenkreuz 1705–1728
Maria Elisabetha Hügelin, geborene Ferrethin, verwitwete Trumlerin, verehelichte Hügelin, † 1728
Elias Hügel, Wiener Hofsteinmetzmeister, Richter von 1722–1735 und 1749–1751, Kirchenbaumeister, Schöpfer barocker Steinaltäre
Robert Leeb, Abt des Stiftes Heiligenkreuz von 1728–1755
Joseph Winkler, Richter von 1735–1747, Begründer einer Steinmetzfamilie in Kaisersteinbruch
Johann Michael Strickner, Richter von 1752–1765, aus einer Eggenburger Steinmetzfamilie
Johann Gehmacher, Salzburger, Richter von 1766–1777, Begründer einer Steinmetzfamilie in Kaisersteinbruch
Gregor Nagl, Webermeister, als erster "Nicht-Steinmetz" zum Richter gewählt von 1777–1793
Peregrin Teuschl, Steinmetzmeister, Richter von 1852–1859, Wiener Stadtsteinmetzmeister
Gregor Pöck, Abt des Stiftes Heiligenkreuz von 1902–1945
Ferdinand Krukenfellner, Steinmetzmeister, Richter von 1894–1895 und 1904–1912
Ferdinand Amelin, Steinmetzmeister, Richter von 1913–1923
Josef Wolf, Bürgermeister, Verfasser einer Ortsgeschichte
Friedrich Opferkuh, Steinmetzmeister († 1993), Friedrich-Opferkuh-Symposium 1993
Josef Franzl, Pfarr-Rektor von Kaisersteinbruch 1939–1945
Alexandru Ciutureanu, Bildhauer aus Bukarest, über ein Jahrzehnt in Kaisersteinbruch künstlerisch tätig
Ferenc Gyurcsek, Bildhauer aus Budapest, über ein Jahrzehnt in Kaisersteinbruch künstlerisch tätig
Hans Rochelt, Kulturredakteur von Radio Burgenland, Radio Pannonien usw.
Klara Köttner-Benigni, Mitarbeiterin von Radio Burgenland, Berichterstattung über den Museums- und Kulturverein
Helmuth Furch, Lehrer, Kulturschaffender und Autor

Das "neue" Kaisersteinbruch: Am 7. März 1951 beschloss der burgenländische Landtag im sowjetisch besetzten Burgenland erneut die Gemeinde Kaisersteinbruch. Josef Wolf schreibt in diesem Zusammenhang "es wirkte sehr befremdend, dass man die Gemeindeverwaltung zu dieser bedeutsamen Landtagssitzung gar nicht eingeladen hatte". Noch befremdender war es, dass nach monatelangem Zuwarten von diesem Landtagsbeschluss in keinem Gesetzblatt zu lesen war und die Gemeinde von der burgenländischen Landesregierung nicht in Kenntnis gesetzt wurde. Erst 1952 wurde das beschlossene Gesetz im Landesgesetzblatt verlautbart.

Ein großes Verdienst um die Gemeinde Kaisersteinbruch hatte sich der Grundbuchs-Richter Spath dadurch erworben, dass er den Antrag des Gauleiters von Niederdonau, die Liegenschaften der aufgelösten Gemeinde Kaisersteinbruch grundbücherlich für das „Deutsche Reich“ einzuverleiben, jahrelang liegen ließ und die Erledigung so lang hinauszögerte, bis der Krieg zu Ende war und sich die Angelegenheit von selbst erledigte. Durch diese mutige Tat ist die Gemeinde Kaisersteinbruch unumschränkte Eigentümerin ihrer Liegenschaften geblieben. So konnte die Gemeinde trotz großer Widerstände neu errichtet werden.

Bereits 1956/57 wurden die Baracken des Lagers für viele tausende Flüchtlinge des ungarischen Volksaufstandes verwendet. Der Ort selbst war weitgehend zerstört.

Gemeindezusammenlegung mit Winden, Sommerein oder Bruckneudorf: Kaisersteinbruch ist seit 1971 Katastralgemeinde, sowie Ortsteil der Großgemeinde Bruckneudorf, Bezirk Neusiedl am See, Burgenland. Vorher war es eine eigenständige Gemeinde, ja selbst Großgemeinde durch den Ortsteil Königshof. Die Hotterfläche beträgt 14 Quadratkilometer und wird von lediglich 280 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2005) bewohnt; das ergibt eine Bevölkerungsdichte von 20 Personen je Quadratkilometer. Das entspricht dem Wert der Republik Äquatorialguinea. Die Erklärung ist, dass Teile dieses Gebietes durch den Truppenübungsplatz mit Verbotstafeln "Lebensgefahr" abgetrennt sind.

Kultur und Sehenswürdigkeiten:
Abgang zum Gewölbekeller aus Kaiserstein-Stufen der Albertina in der Hofburg: die Burghauptmannschaft übergab dem Museum Stufen der Sphingenstiege nach dem Umbau zur Marmortreppe. Eine Meisterleistung von Georg Zsalacz.
Altäre der Kaisersteinbrucher Kirche: Die Altäre der Kaisersteinbrucher Kirche wurden von Meistern der Steinmetzbruderschaft errichtet und gestiftet. Sie bestehen aus dem harten, weißen Kaiserstein und zeigen die Schönheit und die vielseitige Verwendbarkeit dieses Steines. Dem Innenraum der Kaisersteinbrucher Kirche geben die prachtvollen Steinaltäre das Gepräge. Sie sind Erzeugnisse hoher Steinmetzkunst und tragen die Namen der Künstler, voran den des Elias Hügel, der 1720 den Hochaltar, 1738 den Altar in der Seitenkapelle schuf. Die wundervollen Statuen sind bis auf Reste zugrunde gegangen, die sich heute in der Pfarrkirche von Purbach befinden.
Bäckerkreuz: von 1626
Barockes Friedhofs-Portal: Ambrosius Ferrethi, aus verschiedenen Teilen in der zweiten Hälfte 17. Jahrhundert zusammengesetzt, Maria, darüber Elias-Hügel-Ehrensäule, 1740, von der Steinmetzbruderschaft dem großen Meister gewidmet.
Dreifaltigkeit: seitlich Sebastian und Rochus.
Ehem. Pfarrhof: 1649 Residenz für den ersten kath. Orts-Pfarrer
Europabrunnen: 1998 auf dem Kirchenplatz errichtet, entlang der Steinmauer des ehemaligen Pfarrgartens. In den 10 Jahren stellten Bildhauer ihr Land durch Steinreliefs dar. Davor der Rosengarten "Stein und Rose".
Kuruzzenkreuz: aus dem Jahr 1646, Stifter Paul Cleritz, ein Pestkreuz.
Neuer Kaisersteinbrucher Florian: Bildhauer Ferenc Gyurcsek, 1992, steht im Turm des Feuerwehrhauses.
Ortsstein: von Bildhauer Alexandru Ciutureanu, Fassung Ava Pelnöcker, 1997.
Österreichischer Symposiums-Stein: Christoph E. Exler
Pestkreuz: 1648, Stifter Ambrosius Regondi, mit Wappen.
Pfarrkirche Kaisersteinbruch: Die römisch-katholische Pfarrkirche Kaisersteinbruch steht in Katastralgemeinde Kaisersteinbruch der Gemeinde Bruckneudorf im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland. Sie ist den Pestheiligen Rochus und Sebastian geweiht und gehört zum Dekanat Neusiedl am See in der Diözese Eisenstadt. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz. Sie ist die ehemalige Zunftkirche des Handwerks der Steinmetzen und Maurer in Kaisersteinbruch. Der älteste bekannte Vorgängerbau war eine Kapelle, die wegen Vergrößerung des Kapellenbruches abgerissen wurde. In diesen Jahren erhielten die Bewohner ihre pfarrliche Versorgung durch die römisch-katholischen Kirchen in den Nachbardörfern Winden am See und Sommerein. Daher befinden sich die Epitaphe der Steinmetzmeister Alexius Payos von 1591 und Cyprianus Novoalas von 1595 (derzeit im Museum Mannersdorf) an der Sommereiner Kirche. 1617, als im kaiserlichen Steinbruch am Leithaberg wie auch in umliegenden Orten die Pest grassierte, leisteten Steinmetzen das Gelübde, eine Kapelle zu errichten, wenn sie die Pest überlebten. Dem schloss sich das Gelöbnis der Margarethe Ruffinin an, der Ehefrau des Steinmetzmeisters Andre Ruffini, welche 10 Eimer Wein stiftete. Diese erbrachten den Gegenwert von 30 Gulden für das Fundament. Das Stift Heiligenkreuz als Grundherrschaft stellte das Grundstück zur Verfügung. Im selben Jahr 1617 erhielt die Bruderschaft der Kaisersteinbrucher Meister den Status einer eigenständigen Viertellade, die der Hauptlade in Wiener Neustadt zugeordnet war. Zur Viertellade gehörte das Steinmetzhandwerk zu Sommerein (bis 1783, dann zu Bruck an der Leitha) und Winden am See und Jois (bis zuletzt). Das kaiserliche Privileg der Handwerksordnung regelte sowohl das weltliche, wie auch das kirchliche Zusammenleben.
Rosengarten
Rumänischer Symposiums-Stein: Alexandru Ciutureanu
Sonnenuhr-Stein: von 1590
Sonnenuhr-Pfeiler: 1992, Leitung Friedrich Opferkuh, Sonnenuhr-Stein von 1590, Reliefs Ciutureanu.
Steinmetzmuseum Kaisersteinbruch: Das Steinmetzmuseum Kaisersteinbruch wurde am 24. Juni 1990 von Helmuth Furch, Wiener Landeslehrer und Obmann des dortigen Museums- und Kulturvereines gegründet. Die 1939 zwangsweise abgesiedelten Kaisersteinbrucher erhielten damit ein Zentrum, mit ihren geistigen und materiellen Beiträgen konnte diese Privatinitiative gewagt werden. Zitat von Frau Johanna Markowitsch, Gästebuch vom 6. Oktober 1990: Seit es ein Museum in Kaisersteinbruch gibt, habe ich hier auch wieder ein Zuhause! Danke dafür! Die Großgemeinde Bruckneudorf stellte einen Raum der ehemals zweiklassigen Schule zur Verfügung. Zur Ausstellung in diesem Klassenraum mit Schultischen der 1920er Jahre (teilweise noch mit versenktem Tintenfass), gelangten anfänglich Bestände, die in jahrelanger Sammler- und Forschertätigkeit zusammenkamen.
Ungarischer Symposiums-Stein: Ferenc Gyurcsek

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